Samstag, 12. Dezember 2009

Ein kleiner Rückblick

Lang, lang ist's her, seitdem ich mich das letzte Mal gemeldet hab. Es gab Probleme mit Computer und Internet, ich hatte aber auch ehrlich gesagt gar keine allzu große Lust zum schreiben. Ein kleines bisschen werd ich hier jetzt abernachholen. Neue Bilder sind übrigens auch schon online.
Also, was habe ich in den letzten 1 1/2 Monaten erlebt? Hier ein paar kleine Einblicke.

I. Ein Freund von einem Freund hat geheiratet - Grund genug, dass auch Immanuel und ich zur Hochzeit kommen durften. Nachdem ich zuvor eine ganze Woche flach lag, war ich glücklicherweise rechtzeitig wieder gesund und konnte mit dabei sein.
Indische Hochzeiten sind prunkvoll und nicht zu letzt ein bisschen kitschig, aber sicherlich beeindruckend. Das Essen war bombastisch und bot jedes (vegetarische) indische Gericht, das ich mir vorstellen konnte. Das Hochzeitspaar kommt aber während der Hochzeit nicht so wirklich zum feiern und hat einen strikten Ablauf zu befolgen. Der Spaß für die beiden bleibt da ein bisschen auf der Strecke, aber es heiraten ja eh eher zwei Familien als zwei Individuen und die Familienangehörigen lassen es sich definitiv gut gehen!



II. In Chandigarh haben Immanuel und ich unsere ehemalige Volunteer Koordinatorin Mrs Usha Varma besucht, die mitlerweile im Ruhestand ist. Chandigarh wurde von einem französischen Architekt komplett durchgeplant und sieht auch dementsprechend völlig untypisch indisch aus. Es ist sauber, symmetrisch, grün und gar nicht so überfüllt...



III. Unser AFS Midstay Seminar hatten wir in Jaipur. Nachdem wir am ersten Tag ganz schnell durch alle Themen durchgehetzt sind, hatten wir den ganzen zweiten Tag zum Sightseeing. Inhaltlich sinnvoll war das Seminar auf jeden Fall nicht, es war aber ganz nett ein paar andere deutsche Freiwillige wiederzutreffen, die ich noch von der Vorbereitung in Deutschland kannte.


IV. Ein langes Wochenende haben Immanuel und ich dazu genutzt, um nach Udaipur zu fahren und dort Caitlin zu besuchen, die wir damals auf der Kamelsafari in Jaisalmer kennen gelernt haben. Udaipur kennt natürlich erstmal keiner, doch schon James Bond ist hier in "Octopussy" durch die Gassen und Paläste gejagt!


V. Schule? Läuft alles wie gehabt. Spannende, neue Sachen gibts eigentlich nicht zu berichten. Im Moment arbeite ich an ein paar Videos, die auf der Homepage hochgeladen werden sollen. Wenns soweit ist, werd ichs sicher mal eben verlinken.
Ansonsten kann ich nur sagen, dass ich mitlerweile doch ein bisschen mehr hinter die Fassaden der NGO blicken kann. Viele Spendeneinnahmen fließen wohl in die eigenen Taschen der Chairperson, während Lehrer miserabel bezahlt werden und dementsprechend schlechten Unterricht machen. Lehrer mit Behinderungen werden schlechter bezahlt, weil sie ja nicht die selbe "Leistung" bringen könnten - und dann wird beim Fundraising immer von Integration, Gleichheit und ähnlichen Werten geredet....
Für einen Freiwilligen ist die Stelle, aber trotzdem noch sinnvoll; ich bin mitlerweile zu der Erkenntnis gekommen, dass es wohl kaum NGO's und soziale Projekte gibt, wo solche Dinge nicht ablaufen.
Gerade in (Ländern wie) Indien seien NGO's wohl der Renner, weil man mit sozialem Engagements über Fundraising einfach richtig gutes Geld verdienen kann!
Für alle, die es noch nicht wissen: über die Feiertage verreise ich mit Immanuel nach Südindien. Dort werden wir uns dann wieder mit Caitlin treffen.
Ab Silvester trennen sich unser aller Wege dann wieder, weil ich wegen meinem Visum kurz das Land verlassen und erneut einreisen muss. Am 2. Januar fliege ich dann nach Kathmandu, wo ich noch eine gute Woche verweilen werde.

In diesem Sinne, schonmal frohe Weihnachten und einen guten Rutsch! Ich melde mich irgendwann im neuen Jahr....

Montag, 19. Oktober 2009

Diwali & Video

Dieses Wochenende war Diwali, das sogenannte "Fest der Lichter", welches in Nordindien den Neujahrstag markiert.

Gefeiert wird aber hauptsächlich in der Familie, sodass ich abgesehen von jeder Menge Böller, Feuerwerk und beleuchteten Straßen, Bussen und Häusern nicht allzuviel vom eigentlichen Fest mitbekommen habe.

Ein Freund hätte uns zwar eingeladen, ist aber fälschlicherweise davon ausgegangen, dass wir mit unseren Landlords, den Babus, feiern.

Hier ein paar kleine Bildimpressionen zu Diwali:





Ansonsten hat mir das lange Wochenende ohne große Pläne viel Zeit zum lesen und entspannen gegeben. Außerdem habe ich den riesigen Zeitüberschuss genutzt, um nachträglich eine kleine Slideshow mit Immanuels und meinen Fotos von unserer Rajasthan-Reise zu erstellen:

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Backpacking durch Rajasthan

Am Mittwoch vor zwei Wochen wurde Immanuel und mir gutmütiger Weise mitgeteilt, dass die nächste Woche Ferien seien. Diese Zeit wollten wir natürlich nicht ungenutzt lassen und haben so eine spontane Rucksackreise durch Rajasthan organisiert. Nun gut… organisiert? Eigentlich lief alles doch ziemlich spontan.

Nachdem ich mich Donnerstag insgesamt 6 Stunden durch die Bahnhöfe, Schalter und Menschenmassen der New Delhi Railwaystation und der Old Delhi Railwaystation gekämpft hatte, konnte ich als Ergebnis lediglich ein teures Ticket für eine der oberen Klassen vorweisen. Dieses durfte ich unter ärgerlichen 25% Cancellation-Gebühren dann aber auch gleich wieder umtauschen, als ich feststellte, dass der Zug so früh morgens abfährt, dass wir noch auf der Arbeit sind. Dumm gelaufen: kein Zugticket und kein Plan wie und wann es jetzt losgehen soll.

Nach vielem hin und her standen wir schließlich Samstag erneut am Bahnhof, mussten jedoch wieder mit leeren Händen gehen, weil sämtliche Züge (zu unserem gewünschten Ziel) noch immer restlos ausgebucht waren. Ich hab dann einen Bekannten angerufen, der in der Nähe des Busbahnhofs wohnt. Er hat uns dann netterweise alles organisiert, sodass wir nach einem gemeinsamen Abendessen im Nachtbus nach Jaipur saßen.
Ursprünglich hatten wir die Route zwar genau andersrum vor, aber besser so rum als gar nicht…

Rajasthan ist übrigens der größte Bundesstaat Indiens (ungefähr die Größe von Deutschland), liegt im Westen Indiens und ist ein beliebtes Reiseziel, da das traditionelle Rajasthan für viele Touristen quasi die Essenz der indischen Kultur darstellt.

Die Route, die sich mehr oder weniger spontan ergeben hat sah dann wie folgt aus: Jaipur – Pushkar – Ajmer – Jodhpur und schließlich Jaisalmer (also einmal von Ost nach West durch Rajasthan).

Wie das auf einer Reise durch Indien so ist, haben wir viel gesehen, viel erlebt und viele neue Leute aus Indien und aller Welt kennen gelernt. Die Erfahrungen im Detail wiederzugeben sind eigentlich kaum möglich und jetzt frage ich mich grade, ob es überhaupt sinnvoll ist über jeden einzelnen Ort zu schreiben.
Kleine Anekdoten wären zwar sicherlich noch wesentlich interessanter, aber weil es begünstigt von einem Feiertag heute schon wieder übers Wochenende auf Reisen geht, ist die Zeit zum schreiben gerade doch eher knapp bemessen. Von daher werde ich mich wohl auf Stichpunkte beschränken.

1. Station: Jaipur
  • nach nächtlicher Zugfahrt trotten wir in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang durch Jaipur, um eine Unterkunft zu finden
  • begleitet wird unsere Suche von einer Unmenge von Schleppern und sonstigem Betrügervolk, die uns unbedingt in Hotel IHRER WAHL bringen wollen, um eine saftige Provision zu kassen
  • ein besonders übereifriger Auto-Fahrer lässt sich nach einer halben Stunde Verfolgung durch die Straßen Jaipurs erst durch ein wütend geschrienes „We don’t need your help, now get the fuck out of here! abschütteln, was von Einheimischen Fußgängern verständnisvoll beschmunzelt wird
  • nach einigen Stunden Schlaf in einer Unterkunft, die sehr an eine Gefängniszelle erinnert, begeben Immanuel und ich uns in die Altstadt Jaipurs und besichtigen die Märkte und den Wind Palace („Hawa Mahal“)
  • auf der Suche nach dem Elefantenbasar irren wir lange Zeit durch die Wohngebiete, in die sich die Touristen normalerweise wohl weniger rein begeben und werden dementsprechend überraschend von den Einheimischen begafft und verfolgt
  • ebenso überrascht ist Manu, der eigentlich in Goa wohnt und zur Zeit nur wegen des islamischen Festivals „Eid“ in seiner Heimat Jaipur ist, und uns doch gleich mal auf eine Tasse Chai zu sich nach Hause und zum gemeinsamen Feiern am nächsten Tag einlädt
  • die Abzocke eines Auto-Fahrers gerade noch rechtzeitig gewittert, steigen Immanuel und ich im letzten Moment aus, um die hinter einem Hügel östlich von Jaipur liegenden alten Tempel von Galta doch lieber zu Fuß zu erklimmen
  • die Stätte stellt für uns ein absolutes Highlight da, denn heute bleibt der Tempelbezirk den mehr als 5000 hier lebenden Affen überlassen
  • fernab von aufdringlichen Auto-Fahren, Händlern und ähnlichem genießen wir von dem Hügel aus in aller Ruhe den Sonnenuntergang
  • am nächsten Tag werden wir auf den Straßen von den ganzen Muslimen mit Umarmungen und einem Herzlichen „Eid mukabat!“ begrüßt, was so viel heißt wie „Happy Eid!“
  • wir rufen Manu an und gehen mit ihm ins Haus seines Freundes Khan, um mit ihm und seinen Freunden „Eid“, also das Ende des Fastenmonats zu feiern und werden sogar zu einer muslimischen Hochzeit zwei Wochen später eingeladen
  • auf unterschwelliges Drängen von Khan hin fahren wir gemeinsam mit den beiden zu diesem Wholeseller namens „Soul of India“, wo jede Menge indische Handicrafts und ähnliches zu angeblich supergünstigen Preisen angeboten werden; das Geld komme dabei sogar noch einem guten Zweck zu Gute
  • wir bekommen eine Tour durch die Produktionsstätten und die Lager und können in aller Ruhe ohne bedrängt zu werden einkaufen; erst einen Tag später wird uns klar, dass wir uns wohl doch an der Nase rumführen haben lassen und, dass gerade das nicht Drängen die eigentliche Masche war
  • offen bleibt, inwiefern wir Manu und Khan noch trauen können; jedenfalls haben sie auch nach unserer Abreise versucht, den Kontakt weiter aufrecht zu erhalten; wir haben uns jedoch sicherheitshalber dafür entschieden nicht mehr zu antworten und lieber auf die Hochzeit zu verzichten


2. Station: Pushkar

  • nach unserm absoluten Unternehmungsmarathon in Jaipur, lassen wir es in Pushkar doch ein bisschen entspannter angehen
  • die eigentliche Haupattraktion, der Lake Pushkar, ist auf eine kleine Pfütze geschrumpft und reduziert das angeblich sonst so muntere Treiben doch stark
  • wir schauen uns vom nach Osten ausgerichteten Gayitri Tempel den Sonnenaufgang an und gehen danach wieder schlafen
  • nachmittags laufen wir durch die Straßen Pushkars und besichtigen den Brahmaji Tempel im Zentrum Pushkars (der einzige Brahma gewidmete Tempel ganz Indiens); wir sind aber doch eher genervt von der Unmenge von Leuten, die uns Blumen andrehen wollen, die wir in den See schmeißen sollen, um danach natürlich Geld zu spenden – ich hasse es zu sehen wie Religion hier kommerzialisiert wird und um dieses System nicht zu unterstützen haben Immanuel und ich uns vehement dagegen gewehrt, diese blöden Blumen in den blöden auf eine Pfütze minimierten See zu werfen
  • abends erklimmen wir den nach Westen ausgerichteten Savitri Tempel und werden zum Sonnenuntergang mit unvergleichlichen Ausblicken auf die ringsum von Wüste umgebene Stadt belohnt; hier haben wir schließlich doch noch einen aufrichtig netten, etwa gleichaltrigen Inder aus Jaipur getroffen, den wir in näherer Zukunft sicher mal besuchen werden

3. Station: Ajmer
  • in dem doch eher unspektakulären Ajmer verbringen wir nur einen Tag und reisen direkt am Abend über Nacht weiter nach Jodhpur
  • in Ajmer besichtigen wir einen Jain Tempel, ein paar Moscheen und machen eine kleine Botsfahrt auf dem eklig, grünen Wasser
  • in Anbetracht der völlig verwirrenden Namen der Sehenswürdigkeiten wie „Adhai-din-ka-Jhonpra“, „Khwaja Muin-ud-din-Chishti Dargah“ oder „Soniji-ki-Nashiya Hall“ fällt die Orientierung doch etwas schwer und meine Geduld ist begünstigt von ewig aufdringlichen Verkäufern beinahe am Ende
  • der abendliche Aufstieg des „Taragarh Forts“ scheitert leider, da die lokalen Auto-driver mich entweder einfach nicht verstehen oder wahrscheinlich einfach nicht verstehen wollen, da ihnen die Fahrt zum Fort verboten ist; stattdessen landen wir verärgert zum vierten Mal vorm Khwaja Muin-ud-din-Chishti Dargah“ und dürfen auch noch dafür bezahlen
  • nach einstündigem Irren durch die Gassen und Slums von Ajmer finden wir aber doch noch ein ganz ruhiges, erhöhtes Plätzchen, von wo aus uns zum einen der Ausblick über die Stadt gewährt wird, und, wo wir zum anderen gut auf den nächtlichen Bus nach Jodhpur warten können

4. Station: Jodhpur
  • in Jodphur kommen wir doch etwas überfrüht an und wirren so um 2:30 Uhr durch die menschenleergefegten Straßen Jodhpurs, die Nachts einzig und allein den Hunden überlassen werden
  • eine Unterkunft in der Nähe des „Meherangarh Forts“ bereits im Blick, halte ich auf den unteren Mauern des Forts ein kleines Nickerchen und erwarte den Morgen (der in Indien glücklicherweise schon so um ca. 4:30-5:00 Uhr beginnt)
  • erschöpft von den nächtlichen Anstrengungen legen wir uns erstmal schlafen und begrüßen den Tag dann mit einem ausgiebigen Mittagessen auf der Dachterrasse des Guest Houses
  • dann ziehen wir los, um Jodhpur zu erkunden: wir besichtigen den Marmorbau Jaswant Thanda, den Uhrturm, den Markt, trinken einen speziellen "Makhania Lassi" mit Sahne, Safran und Kardamom, der doch eher seltsam als lecker schmeckte, besichtigen zwei künstliche Seen und fahren anschließend mit einem Auto zum Umaid Bhawan Palast, der zu einem Drittel vom gegenwärtigen Maharadscha bewohnt und zum Rest als Luxushotel genutzt wird
  • beim Abendessen im Hotel lernen wir ein drei nette Briten kennen und treffen eine bei der Besichtigung des Forts am nächsten Morgen wieder
  • Nachmittags schlendern wir gemeinsam mit ihr durch die Straßen, trennen uns aber später
  • relativ planlos laufen wir in Richtung eines spannend aussehenden riesigen, blauen Felsblocks und werden auf dem Weg von ein paar Einheimischen auf eine Party Carrom eingeladen (eine Art indisches Billiard, bei dem man Chips schnipst statt Kugeln zu stoßen)
  • an dem Felsblock angekommen frage ich ein paar herumstehende Inder auf Hindi, ob man denn auch raufgehen könnte, woraufhin einer der Männer einen Schlüssel holt und ein Tor aufschließt; eine Gruppe von Kindern begleitet uns hinauf, wobei sich herausstellt, dass sich oben auf dem Felsblock ein kleiner Tempel befindet
  • mit netten Erfahrungen und der Erkenntnis, dass wir auf unserer Reise durch Rajasthan doch noch ehrliche Inder ohne wirtschaftliche Hintergedanken getroffen haben, machen wir uns am Abend auf den Weg zum Busbahnhof, um mit dem letzten Bus um 22:00 Uhr über Nacht nach Jaisalmer zu fahren; der Bus ist leider verfrüht ohne uns abgefahren, sodass wir uns die Nacht an Bahnhof und Busbahnhof um die Ohren geschlagen und stattdessen dann den ersten Bus um 5:00 Uhr genommen haben

5. Station: Jaisalmer
  • erschöpft von der anstrengenden Nacht und Busfahrt in Jaisalmer, der Stadt mitten in der Wüste Thar, angekommen, legen wir uns erstmal wieder schlafen
  • alleine mache ich mich auf den Weg, die Stadt und das Fort, das noch immer bewohnt wird, zu erkunden
  • abends suchen wir ein nettes Restaurant und landen im Wohnzimmer einer ca. 80-jährigen alten Dame, die vor unseren Augen für uns kocht - echte indische Hausmannskost
  • am nächsten Tag begeben wir uns über Nacht auf eine Kamel-Safari durch die Wüste Thar und genießen den atemberaubenden Sternenhimmel von unserem Nachtlager in den Sanddünen aus
  • mit wunden Pobacken, Muskelkater und sonstigen Blessuren ruhen wir uns erschöpft im Hotel aus
  • ich schaue mir mal wieder den Sonnenuntergang an und wir gehen mit einer Amerikanerin, die gemeinsam mit uns auf der Safari war, essen
  • am nächsten Tag nutzen wir die Zeit, um uns Jaisalmer doch nochmal genauer anzuschauen und bestaunen die prachtvollen Havelis und den, um einen See gelegenen, Tempelbezirk
  • gerade rechtzeitig wird uns klar, dass unser Zug ja doch gar nicht am nächsten Tag, sondern schon heute fährt, woraufhin wir vom Hotel zum Bahnhof gebracht werden und 18h Zugfahrt nach Delhi über uns ergehen lassen

Um mit den Worten eines Mönchs aus Jaipur zu enden: "Bye, bye, namaste und hare krishna!"

Montag, 31. August 2009

Auf Reisen in Rishikesh

Dieses Wochenende bin ich zum ersten mal gereist. Es war zwar nicht mal ein langes Wochenende, aber Immanuel und ich wollten einfach auch mal endlich raus aus Delhi...

Freitag Abend sind wir dann zum Busbahnhof und haben versucht in dem Chaos unbeschrifteter Busse ohne Fahrpläne einen Bus nach Rishikesh zu finden. Von einem Bekannten in der Schule wurde uns ein Air Conditioned Bus für 150Rs versprochen. Was wir bekamen was ein Bus ohne Air Condition, der seine besten Jahre eindeutig schon hinter sich hatte - das ist dann wohl der foreigner Preis. Für mich war mangelnde Komfort des Busses aber gar kein großartiges Problem. Abgesehen von den Mücken, die meinen Füßen wohl so um die 50 Stiche verpasst haben, war alles super und ich konnte trotz des ewigen Ruckelns und Holperns sogar ein bisschen schlafen ohne von meinem Sitz runterzufallen. Jetzt hab ich die mangelnde Infrastruktur mal tatsächlich erfahren: In Delhi ist ja alles super modern ausgebaut, aber schon ein paar km vor Delhi kann man kaum noch von Straßen sprechen… Für die fast 350km sind wir dann also schon mal gute 7 ½ Stunden gefahren. Schließlich kamen wir dann auch an, stellten dann aber zu unserer Verwunderung nach einem 10 Minütigen Fußwmarsch fest, dass wir ja doch noch gar nicht in Rishikesh, sondern erst in Haridwar waren. Das Taxi war aber dann doch schnell organisiert und ab gings nach Rishikesh!

Als wir dann doch schließlich war ich von Anfang an total begeistert. Der totale Gegensatz von Dehli. Rishikesh ist eine ruhige, heilige Stadt am Ganges umrundet von den Ausläufern des Himalayas. Die Stadt ist Ziel vieler hinduistischer Pilger und bekannt als Zentrum für Yoga und Meditation. Es wimmelt hier nur so von Ashrams (= klösterliche Meditationszentren), Tempeln, Sadhus und sonstigem spirituellen Volk.

Wir haben uns dann direkt eine Unterkunft gesucht und haben letztendlich in einem schlichten Hotel ein Zimmer für 200Rs bekommen. Zu Fuß haben wir uns dann auf den Weg gemacht und wollten eigentlich zu dem Ashram, in dem schon die Beatles in den 60er Jahren einige Wochen verbracht haben. Stattdessen sind wir aber wohl mal falsch abgebogen und befanden uns auf einmal auf einem Pilgerweg quer durch die Natur über einen der Rishikesh umrandenen Berge. Völlig begeistert von unserem Glück sind wir immer weiter gelaufen und haben den ganzen Berg erklommen. Da haben wir dann noch zwei Inder getroffen, die ungefähr genauso viel Englisch gesprochen haben wie ich Hindi – für die gröbste Verständigung hats aber gereicht. Auf der anderen Seite des Berges war dann ein Tal umrandet von Bergen. In dem Tal war ein Dorf und ein Tempel, zu dem die Hindus nur so hinströmten. Die Fotos können die tatsächliche Schönheit dieses Ortes leider kaum einfangen…

Für den Rückweg haben wir dann einen Jeep genommen. Weil wir ziemlich kaputt waren, haben wir uns einen Mittagsschlaf gegönnt, der leider viel länger ausgefallen ist als ich es mir vorgenommen hatte.

Dann sind wir in Ruhe losgezogen und haben in einem dhaba mit Blick auf dem Ganges gemütlich zu Abend gegessen. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Straßen geschlendert und sind in einem super netten Café gelandet, in dem wir uns ein paar frisch gepresste Säfte und noch einen kleinen Nachtisch gegönnt haben. Wir waren aber doch ziemlich müde und erschöpft vom Tag und sind dann doch gar nicht so spät zu Bett.

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich einen schönen Spaziergang machen, bin aber gerade mal 100m weit gekommen, weil ich an dem kleinen Straßenstand eines Mannes hängen geblieben bin. Eigentlich wollte ich ja gar keinen Kaffee, aber dann hab ich doch einen genommen und hab dann letztendlich auch direkt eine ganze halbe Stunde mit dem Mann verbracht. Er kam aus Delhi ist aber Delhi entflüchtet und wohnt jetzt in Rishikesh. Dort versucht er genügend für die Hochzeit seiner Tochter zu sparen, um daraufhin mit seiner Mutter zum Beten und Meditieren in die Berge zu ziehen. Die einfachen Leute sind doch einfach immer die Spannendsten!

Dann hab ich noch schnell ein kurzes Bad im Ganges genommen, womit jetzt wohl alle meine Sünden von mir abgewaschen sind und ich wieder ein guter Mensch bin! YES!

Gemeinsam mit Immanuel gings weiter zum „Beatle’s Ashram“, den wir dieses mal sogar auf Anhieb gefunden haben. Obwohl auf dem Tor in dicken Buchstaben „NO ENTRY!“ geschrieben stand, kam natürlich schon beim Vorbeilaufen ein Mann zum Tor gerannt, der uns erklärte, dass er uns nur gegen eine Gebühr reinlassen könne. Die 30Rs waren uns dann aber auch egal und es hat sich in der Tat gelohnt. Der Ashram ist zwar doch ganz schön verkommen und nicht mehr in Benutzung, ich konnte mir aber trotzdem ungefähr vorstellen wie das Leben dort gewesen sein muss. Der Ort strahlte einfach eine unglaubliche Ruhe und Stille aus.

Nach einem Frühstücks-Mittagessen haben wir uns dann so ab 14 Uhr bemüht in Richtung Delhi zu kommen, worauf wir um 16:30 Uhr nach einigen Fußmärschen, einem völlig überladenen Auto-Rickshaw, einer schlechten Bahnauskunft und vielem Rumfragen schließlich doch noch im Bus nach Delhi saßen (der übrigens dieses Mal nur 117Rs gekostet hat).

Heute in der Schule war ich dann doch ziemlich kaputt, weil wir halt letztendlich doch erst um 1:00 Uhr nachts bei uns in der Wohnung angekommen sind.
Eigentlich wäre auch heute frei gewesen – ist ja schließlich der letzte Arbeitstag im Monat. Heute war aber leider Gottes Mrs. Usha Varma’s letzter Tag und deswegen sind wir trotzdem gekommen. Das die in Rente geht ist wirklich unglaublich schade – ich kann mir gar nicht vorstellen wie der Laden ohne sie laufen soll. Also so viel Glück wie mit ihr können wir mit ihrer Nachfolgerin einfach gar nicht mehr haben….

Dann zum Schluss noch ein paar Bilder vom Wochenende. Wesentlich mehr Bilder sind aber in den Fotoalben zu finden.


Bild 1: Rishikesh


Bild 2: Auf Wanderung durch die Ausläufer des Himalayas


Bild 3: Affen und Pilger auf dem Weg


Bild 4: Der Blick zurück auf den Ganges


Bild 5: Auf dem Weg noch schnell den Segen eines Gurus mitgenommen


Bild 6: Blick ins Tal


Bild 7: Blick ins Tal Nummer 2


Bild 8: Schlange stehen im Tempel


Bild 9: Abends im Café Little Buddha: Ich kämpfe mit meinem Jumbo Chocolate Ball


Bild 10: Der Eingang zum "Beatle's Ashram"

Freitag, 14. August 2009

Bilder, Bilder, Bilder

Bilder sind ja schließlich wesentlich interessanter als Text. Deswegen gibts diesmal einfach nur ein paar Bilder mit kurzen Erklärungen. Für ganz, ganz viele Bilder, kann ich nur erneut auf die Fotoalben hinweisen, die Immanuel für ihn und mich hochlädt und ständig aktualisiert. Einfach unter Links oder direkt hier auf Fotoalben
klicken!



Bild 1: Mein Frühstück - seit mehr als einem Monat jeden Morgen Toast mit der gleichen süß-künstlichen Marmelade und Ketchup


Bild 2: Mittwoch vor einer Woche war Raki. Dies ist normalerweise ein Hindu-Fest, aber wenns denn Geschenke gibt, macht das natürlich nichts und wird auch von den Christen gerne gefeiert; zumindest von den Mädchen, denn sie sind es die Geschenke von ihren Brüdern bekommen!


Bild 3: Wrist-Buddys!


Bild 4: Die Feierlichkeiten zum Independence Day (15. August) an unserer Schule


Bild 5: Sabji-Markt (Gemüsemarkt) in Vasant Kunj, New Delhi


Bild 6: Und nochmal Sabji-Markt in Vasant Kunj, New Delhi


Bild 7: Eine Affenbande streift durch die Gassen von Delhi. Ich kam grad von der Nachhilfe und hab zunächst nur einen gesehen, an dem ich dann vorsichtig vorbei bin. Plötzlich waren sie überall: auf dem Boden, neben mir an den Wänden und über mir an Käbeln und Dächern. Von all den Tieren, die hier so auf den Straßen rumtollen, sind mir die Affen auf jeden Fall am liebsten!

Mittwoch, 12. August 2009

Meine Arbeit

Ich dachte schon ich wäre immun gegen alles, aber gerade hats mich leider doch erwischt. Am Wochenende gings Immanuel nicht gut und bei dem kleinen Raum auf dem wir zusammenhocken war es wohl unvermeidbar, dass es sich auf mich überträgt. Als ich mich dann vorgestern am frühen Abend mal zum joggen motivieren konnte (was bei der Hitze wohl doch gar nicht so die gute Idee war) hat das meinem Immunsystem wohl den Rest gegeben. Gestern war ich trotz Kopf- und Gliederschmerzen arbeiten, dafür gings mir dann nachmittags auch direkt doppelt dreckig. Gerade bin ich deshalb zu Hause und entspanne mich, was mir aber die Chance gibt in Ruhe einen Blogeintrag schreiben zu können.

Viele Leute fragen mich, was ich denn jetzt eigentlich genau hier machen würde. Ich habs glaub ich im ersten Blogeintrag mal angeschnitten, werds aber dann jetzt wohl noch etwas ausführlicher darlegen.

Ich arbeite bei einer NGO namens Akshay Pratishthan – das ist im großen und ganzen eine Schule, die aber gleichzeitig noch viele andere Bereiche umfasst. Ich hab mal einen Link zur Schule gepostet, aber wahrscheinlich klicken nur die allerwenigsten darauf, deswegen werde ich versuchen, meine Arbeiststelle noch mal in meinen eigenen Worten ein bisschen vorzustellen.


Zur Schule gehen hier arme Kinder, die sich die öffentlichen Schulen nicht leisten können (was zumeist bedeutet, dass sie schon richtig arm sind) und Kinder mit Behinderungen. Bei den Behinderungen muss man wiederum unterscheiden: Im Special Wing sind die eher geistig Behinderten Kinder wie slow learners, Kinderlähmung, Down-Syndrom, oder ähnliches; dann gibt es noch jede Menge körperlich behinderter Kinder, bei denen es sich vor allem um Fälle der Sehnenverkürzung handelt. Auf solche Behinderungen trifft man in Deutschland nur ganz selten, weil sie direkt nach der Geburt behandelt werden können. Hier würde der Preis für eine Behandlung etwa bei 8000 Rs., was ca. 150€ entspricht – die Familien können diese Summe aber einfach nicht aufbringen. Der Staat greift in solchen Fällen nicht ein, denn ein soziales Netz gibt es in Indien einfach gar nicht…
Die akademische Bildung wird hier ergänzt durch vocational training. Die Kinder können sich die Tätigkeit in Bereichen wie Bäckerei, Tischlerei, Kunsthandwerk, Schönheitspflege, Computer oder Ähnliches aussuchen, um so die Möglichkeit zu geben nach dem Schulabschluss einen Beruf in diesen Feldern zu ergreifen. Außerdem gibt es sportliche und kulturelle Aktivitäten, bei denen die behinderten Kinder integriert werden. Die NGO geht demnach viel weiter als nur Schulunterricht und es ist schwer die umfassenden Angebote in so einem kurzen Blogeintrag zu erläutern.
Nennenswert ist auf jeden Fall noch die eigene Medical Unit. Diese umfasst vier Bereiche: Physiotherapie, Healing Touch, Occupational Therapy und die Prosthetic & Orthotic Unit. Unter Physiotherapie kann sich denk ich jeder etwas vorstellen. Bei Healing Touch handelt es sich quasi um Krankenschwestern, wobei gelegentlich auch freiwillige Ärzte zu check-ups oder Behandlungen kommen. Occupational Therapy ist eine Mischung aus Physiotherapie und Konzentrationsübungen. Hier sollen die Leute mit Behinderungen lernen selbstständiger und mobiler zu werden. In der Prosthetic & Orthotic Unit werden Prothesen und Schienen (teilweise von den Schülern selbst) hergestellt und dann kostenlos zur Verfügung gestellt.
Bemerkenswert ist, dass dieses Angebot nicht nur den Schülern, sondern auch Patienten von außerhalb zur Verfügung steht, die sich eine öffentliche medizinische Behandlung nicht leisten können.

Ich persönlich arbeite im Moment vor allem am Computer und im Special Wing. Da es sich ja um eine NGO handelt, muss sie sich ja schließlich über Spenden finanzieren. Mit der Herstellung von zahlreichen annual reports der letzten vier Jahre, helfe ich im Bereich des fundraisings, indem neue Spender gewonnen bzw. die alten bei der Stange gehalten werden. Außerdem helfe ich beim Archivieren von Fotos und ähnlichem. Da meine Koordinatorin Mrs. Usha Varma am Ende dieses Monats leider die Schule verlassen wird, muss die Arbeit bis dahin fertig sein, weil ansonsten keiner mehr weiß, was wozu gehört.
Im Special Wing arbeite ich mit der jüngsten Gruppe von Kindern, die 5-10 Jahre alt sind. Hier male ich mit den Kindern, versuche ihnen das englische Alphabet, zählen und rechnen beizubringen oder bin einfach damit beschäftigt, sie ruhig zu halten. Problematisch ist, dass der Wissensstand bei jedem Kind unterschiedlich ist und dass sie eben nur dann Lernerfolge hat, wenn man einzeln mit ihnen zusammenarbeitet. Deswegen sind viele Kinder meistens zwangsläufig ohne Beschäftigung. Die Arbeit in diesem Bereich macht mir jedenfalls jede Menge Spaß!
Ab nächsten Monat soll ich wohl auch Englisch unterrichten, ob das was gesagt wird wirklich eintrifft, kann man in Indien aber nie so ganz sagen. Im Normalfall aber eigentlich nicht…

Überarbeiten tue ich mich jedenfalls nicht. Die Schule beginnt hier um 8:30 Uhr und endet um 14:00 Uhr. Dazwischen liegen für mich eine halbe Stunde Teepause und noch mal eine halbe Stunde Mittagspause. Und wenn man zwischendrin mal noch ne zusätzliche Pause macht, um sich mit irgendwem zu unterhalten, stört das hier auch niemanden. Manchmal haben Immanuel und ich ein schlechtes Gewissen und arbeiten dann freiwillig ein bisschen länger – am Computer kann man ja schließlich auch noch arbeiten, wenn die Kinder weg sind…

Gestern hatte ich meine erste Stunde offiziellen Hindiunterricht. Ich hatte auf einen strukturierten Unterricht gehofft, um die Sprache von Grund auf zu lernen, hatte aber gleichzeitig befürchtet, dass das wohl zu viel erwartet war. In meiner ersten Stunde sind wir jetzt die Namen von 25 Gemüsen und Früchten durchgegangen. Also das krieg ich auch alleine hin, dazu brauch ich keinen Lehrer. Vielleicht ist es noch zu früh, um eine Aussage über die Qualität des Unterrichts zu machen, aber wenn er so bleibt, werde ich wohl irgendwas ändern müssen.



Bild 1: Das Schulgebäude von außen



Bild 2: Die Jagriti Group im Special Wing



Bild 3: Affen auf dem Dach der Schulcafeteria. Den ganzen Tag lungern die da rum, aber sobald ich meine Kamera raushole rennen sie kreischend weg...


Mittwoch, 5. August 2009

Erster Monat vorbei

Ein Monat ist rum und die Zeit rennt geradezu. ''Time is running like water", sagte heute jemand passender Weise...

Hinter mir liegt ein langes Wochenende – seit Montag ist zwar schon wieder Schule, aber davor bin ich nicht zum schreiben gekommen.

Freitag war nämlich frei, weil es der letzte Arbeitstag im Monat war. Irgendwie gilt dieser (scheinbar erfundene) Feiertag, aber nicht für normal Angestellte, sondern nur für Immanuel und mich. Demnach mussten alle anderen Freitag und Samstag arbeiten, während wir nicht nur wie gewohnt Samstag, sondern auch Freitag frei hatten. Hätten wir das mal eher erfahren, hätten wir vielleicht mal einen ersten größeren Trip nach Rajasthan oder so unternehmen können, aber dem war ja dann nun mal leider nicht so…

So beschränkte sich die Wochenendplanung dann doch eher auf eine tägliche Sightseeingtour.

Am Donnerstag sind Immanuel und ich schon mal zum Connaught Place und haben dort den unterirdischen Palika Bazaar ein bisschen erkundet. Hier versuchen die aufdringlichen Verkäufer durch ständiges ans Ohr labern ihre facettenreichen Waren unter den Mann zu bringen, die unter anderem von Büchern und Kleidung über Computerspiele und USB-Sticks bis hin zu „Porn Movies“ reichen können.

Später waren wir dann noch bei der Sternwarte Jantar Mantar, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Hier konnten die Menschen früher anhand des Schattenwurfs von gigantischen Sonnenuhren früher die Zeit, Sonnen- und Mondkalender, sowie astrologische Bewegungen bestimmen. Heute gibt die Jantar Mantar ein bisschen den Eindruck eines Spielplatzes für Erwachsene. Was für viele Menschen sicherlich vor allem vom wissenschaftlichen Standpunkt aus interessant ist, war für mich auch einfach schön anzusehen. Bemerkenswert ist wie es so gut wie keine Geländer, Absperrungen oder ähnliches gibt, selbst da nicht, wo man sich in Höhen befindet, die beim Fall sicherlich den Tod bedeuten würden.
Die Inder haben allgemein einfach ein völlig anderes Verständnis von Sicherheit als wir es gewöhnt sind. Beim Motorradfahren trägt so zum Beispiel nur der Fahrer einen Helm, während der Beifahrer ungeschützt mitfährt. Der Fahrer trägt den Helm also nicht aus Überzeugung und aus Sicherheitsbedürfnissen, sondern einfach nur, weil es das Gesetz vorschreibt. Ganz ähnlich ist es auch beim Autofahren: Gurte tragen generell nur diejenigen, die vorne sitzen. Die hinten brauchen keine Gurte tragen, weil sie sich ja schließlich nicht strafbar machen, wenn sie keine tragen. Bei Bauarbeiten an Rohren oder ähnlichem befinden sich hier teilweise tiefe Löcher in den Bordsteinen, die selbst im Dunkeln weder beleuchtet, noch anderweitig abgezäunt sind. Trotzdem geht’s aber irgendwie immer gut; ich hab jedenfalls noch keinen reinfallen gesehen…

Am Freitag hatten wir eigentlich vor mal ein bisschen Delhi Nightlife zu erfahren. Ich hab mich dann an einen indischen Bekannten gewandt; durch meinen miesen Handyprovider kam aber nur die Hälfte meiner Mitteilungen an, was zu einer Reihe von Missverständnissen führte.

Gegen 18:30 Uhr trafen wir dann schließlich nach einer riesigen Hetze und jeder Menge Stress am Khan Market auf Adil und seinen Freund Manish, die dort schon seit zwei Stunden auf uns warteten. Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen hatten (was vor allen Dingen dem Zweck diente, die großen Scheine klein zu bekommen) sind wir dann zum Lotus-Tempel gefahren, der natürlich etwa 15min vor unserer Ankunft geschlossen hatte. Nach dem gescheiterten Lotus-Tempel-Besuch sind wir dann wieder weiter gefahren, um woanders noch was zu essen, was auch eigentlich noch ganz lustig war. Ergebnis des Tages war jedenfalls eine ganze Menge Rumfahrerei; von Delhis Nachtleben dagegen hab ich aber immer noch nicht allzu viel erfahren. Ob ich überhaupt noch richtig in diesen Genuss kommen werde, ist momentan aber auch noch ein bisschen fraglich. Alkohol ist nämlich erst ab 25 und in Bars, Clubs oder ähnliches darf man meines Wissensstandes nach erst ab 21 Jahren. Ich werde sehen, was die Zukunft diesbezüglich bringen wird…

Am Samstag hab ich mit Monishaah getroffen, die ich im Special Wing bei der Arbeit mit den behinderten Kindern unterstütze. Sie ist mit ihren 21 Jahren noch ziemlich jung und vielleicht macht die Arbeit in diesem Bereich auch unter anderem deswegen so viel Spaß. Monishaah und ihr älterer Bruder haben mich dann gemeinsam durch den Chattar Pur Mandir, einen ziemlich großen Hindu-Tempel hier in Vasant Kunj (= der Stadtteil in dem ich lebe), geführt. Nachdem ich anschließend auch noch kurz weitere Familienmitglieder kennen gelernt habe, wurde ich natürlich auch direkt für nächste Woche zum Essen eingeladen.

Am Sonntag waren Immanuel und ich ein paar Stunden im National Museum. Danach hab ich dann zum ersten Mal richtiges Essen von den Straßenständen probiert, was mein Magen glücklicherweise problemlos verkraftet hat. Abends gings dann kulinarisch weiter, als ich gemeinsam mit Bini Parantas, eine Art Fladenbrot mit geringer Ölfüllung in Dreiecksform, gemacht hab. Bisher sind meine indischen Kochkünste noch relativ gering, aber das wird sich hoffentlich noch ändern.

Heute bin ich mal ganz auf eigene Faust Richtung Innenstadt New Delhi losgezogen. Eigentlich hatte ich jede Menge Sachen vor, aber letztendlich konnte ich nur die National Gallery of Modern Art abhaken. Ich war über drei Stunden drin, aber die Menge von Bildern war einfach so gewaltig, dass ich am Ende eigentlich schon gar nichts mehr aufnehmen konnte. Ein bisschen ueberrascht hat mich WIE modern die Knustwerke aus neuerer Zeit waren, die auch Tabuthemen ohne Scheu und Verharmlosung offen darstellen. Ich kann mir gut vorstellen wie so manch traditioneller Inder da nur noch den Kopf schütteln kann.

Bild 1: Eine kleine Impression zu dem bisschen Monsun, was ich in Delhi bisher erlebt habe. Der Monsun, der ja eigentlich seit ungefähr zwei Monaten da sein soll, was bisher nur an 5-6 Tagen zu spüren. Einige Leute sprechen von einem Dürrejahr; jedenfalls ist es meistens abartig heiß!


Bild 2: Die Jantar Mantar (was soviel heißt wie „observation instrument“)


Bild 3: Von Geländern und Absperrungen keine Spur

Bild 4: Ebenso


Bild 5: Der Chattar Pur Mandir


Bild 6: Monisha und ich vor einer Statue des Gottes Hanuman

Dienstag, 28. Juli 2009

Ich lass dann doch mal wieder was von mir hören.

Letzte Woche Donnerstag waren Immanuel und ich auf Empfehlung eines Inders hin bei einem Tanzfestival in einem hinduistischen Tempel. Unter der Bezeichnung „Festival“ hatte ich mir irgendwie was Größeres vorgestellt, denn letztendlich saßen da nur so um die 40-50 Leute. Die Tanzvorführung erinnerte schwer an Ausdruckstanz und die musikalischen Klänge waren so meditativ, dass ich mit meinen Gedanken ständig abgeschweift und beinahe eingeschlafen bin und mich gar nicht wirklich auf die Tänzerin konzentrieren konnte. Das war aber auch gar nicht so schlimm, denn es war zwar irgendwie interessant, aber insgesamt doch eher langweilig. Nach dem 1 ½ Stündigen Auftritt von Kalamandalam Leelama – der Künstlerin mit dem wahrscheinlich längsten Namen der Welt, der ein Maximum an E’s und A’s enthält – haben wir die Aufführung dann frühzeitig verlassen.

Einige Tage später, am Samstag, hat das AFS National Office India einen Bus gechartert und einen Tagesausflug zum Taj Mahal nach Agra organisiert. Der Tag sah dann ungefähr so aus: morgens um 4:00 Uhr aufstehen, 5 Stunden Hinfahrt, 1,5 Stunden Taj Mahal, 6 Stunden Rückfahrt und anschließend mit Sonnenbrand und Sonnenstich todmüde ins Bett fallen. Der Taj Mahal ist zwar an sich echt beeindruckend und wirklich schön, aber ob sich der ganze Aufwand nur für den Taj Mahal gelohnt hat, weiß ich nicht. Ich hätte jedenfalls gerne noch mehr von Agra gesehen, aber dafür war dann leider keine Zeit mehr. Wer den Taj Mahal jedenfalls einmal gesehen hat, braucht denk ich wohl kein zweites Mal hin. Aber ist ja super von AFS India solche Touren für uns zu organisieren – ich frag mich, wo die das ganze Geld hernehmen.

Am Dienstagabend waren Immanuel und ich im Kino in „Harry Potter“. Der Tag hat mir noch mal vor Augen geführt wie konträr Indien und gerade Delhi doch tatsächlich ist. Das Kino befand sich in einer wirklich unglaublich riesigen Einkaufszentrum, das von außen und vor allem von innen aussah wie ein 5-Sterne Hotel in Las Vegas. Wenn man so ein Gebäude betritt, befindet man sich auf einmal in einer völlig anderen Welt und ich fühl mich an solchen Orten immer eher wie in New York oder so - aber jedenfalls nicht wie in Indien. Wenn man dann wieder nach draußen kommt, ist alles wieder komplett anders. 200m weiter läuft eine Herde Kühe über die Straße und weitere 200m entfernt schlafen die Leute auf dem Bürgersteig, weil sie kein Dach überm Kopf haben. Solche Bilder sind hier ganz alltäglich. Einige Inder haben zwar erklärt, dass im Grunde niemand zu betteln braucht, da es genug Arbeit gäbe, aber ich weiß nicht, was ich davon wirklich halten soll. Mittlerweile habe ich in Erfahrung gebracht, dass selbst die Leute, die in den Slums wohnen nicht mal unbedingt arbeitslos sind. Die meisten machen Gelegenheitsjobs wie Straßenbauarbeiten oder ähnliches und bekommen ihren Lohn (wenn denn alles gut geht) täglich ausgezahlt – der Lohn liegt dann aber häufig unter einem Euro, sodass außer für die lebensnotwendigen Mahlzeiten kaum Geld übrig bleibt.

Bauarbeiten gibt es hier jedenfalls genügend – genau genommen ist Delhi nämlich zurzeit eine einzige, riesige Baustelle. Nächstes Jahr finden hier die Commonwealth Games statt und dafür soll alles fertig sein. Unglaublich wie schnell Veränderungen hier von Statten gehen; bis nächstes Jahr sollen 9 neue Metrolinien, ein neuer Terminal am Flughafen, sowie Fußgängerbrücken, Stadien, Einkaufszentren und andere Gebäude gebaut, Straßen repariert und alte Busse ausrangiert und durch modernere ersetzt werden. Allein am Bau der Metro sind im Moment wohl um die 20.000 Arbeiter beteiligt. Demnach werde ich wohl schon in einigen Monaten ein ganz anderes Delhi vorfinden als im Moment.

Hhhm, worüber kann ich noch berichten….

Ach ja... ein Mann, der in der Prosthetic und Orthotic Unit (die Stellen Schienen, Prothesen und so nen Krams her) in Akshay Pratishthan arbeitet, wollte Immanuel und mir unbedingt sein College zeigen, das wohl das größte College für orthotic therapy in ganz Indien sein sollte. Ich hatte es so verstanden, dass er da wohl Lehrer sei und uns das College zeigen wollte und dachte, dass das ja durchaus interessant werden könnte.
Stattdessen war die Situation aber von vornherein relativ unangenehm. Mit seinem gebrochenen Englisch konnten wir uns nur schwer verständigen. Er hat uns dann das India Gate gezeigt und anschließend sind wir zu Fuß zum College (lange Fußmärsche gibt’s hier genug). Dort wurde langsam klar, dass er vermutlich nur Zeit mit uns verbringen wollte, um uns allen Leuten am College als seine Freunde aus Deutschland vorzustellen und mit uns anzugeben oder so. Es war wie im Zoo. Tausend Leuten die Hand schütteln und immer wieder die gleichen langweiligen Fragen. Als er uns dann in sein Zimmer führte, wurde mir klar, dass das nicht wie zuerst angenommen sein Büro war, sondern tatsächlich seine Wohnung. Er ist nämlich weder Student noch Lehrer an dem College, sondern lediglich ein Ex-Student, der immer noch im Hostel des Colleges wohnt und sich dort ein Zimmer mit einem anderen Studenten teilt. Das Zimmer war klein und relativ verdreckt und ich würde nicht auf die Idee kommen, dahin Gäste einzuladen – ihn erfüllte dieses Zimmer aber doch irgendwie mit einem gewissen Stolz.
Seine für mich völlig unnachvollziehbare Bitte, doch bitte auch mal bei ihm im Hostel zu schlafen, kamen wir nicht nach und werden es wohl auch in Zukunft nicht tun. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass dieser Bitte keinerlei homosexuelle Neigungen zu Grunde liegen wie man evtl. vermuten könnte. Die Inder sind ja allgemein extrem gastfreundlich und für ihn würde es anscheinend etwas ganz besonderes sein, uns auch mal über Nacht beherbergen zu dürfen. Ganz durchschauen werde ich diesen Menschen aber wohl nie…

Die Arbeit in der Schule ist mal so mal so – ich bin aber ziemlich zuversichtlich für die Zukunft.
Richtig viel Spaß macht die Arbeit mit den behinderten Kindern im Special Wing. Allgemein ist die Arbeit immer dann gut, wenn ich das Gefühl hab wirklich helfen zu können. Wenn ich nur dumm rum sitze oder total uneffektive Arbeit mache, ist es einfach nur langweilig, wenn nicht sogar deprimierend. Teilweise erzählen mir die Lehrer wie dankbar sie sind, dass ich da bin, obwohl ich eigentlich gar keine richtige Hilfe bin. Beim Sportunterricht zum Beispiel, stehe ich ständig neben dem Lehrer und mache zum großen Teil ganz normal mit wie die Schüler. Der Lehrer findets aber total klasse, dass ich da bin (vielleicht einfach nur damit er jemand zum quatschen hat?!).
Eine andere Lehrerin hat von Beginn an gebettelt, dass ich doch unbedingt in ihre Klasse kommen und beim Englischunterricht helfen sollte. Als ich dann tatsächlich mal in ihre Klasse gekommen bin, hat sie mir ein Buch in die Hand gedrückt und meinte ich sollte den Schülern fragen stellen. Sie selbst hat sich dann hingesetzt und andere Sachen erledigt und hat den Klassenraum sogar zeitweilig verlassen. Helfen bedeutet für mich doch nicht die Arbeit des Lehrers zu übernehmen, damit er oder sie sich zurücklehnen kann!?
Gemeinsam mit der Koordinatorin, Mrs Usha Varma, die sich zur Zeit um uns Volunteers kümmert, bin ich Verbesserungsmöglichkeiten durchgegangen, um die Arbeit doch etwas effektiver zu gestalten. Außerdem kann ich mir meine Arbeitsfelder ja zum Glück doch zu mindest teilweise selbst aussuchen und so werde ich dem Englischunterricht dieser Lehrerin wohl in nächster Zukunft erstmal nicht beiwohnen.
Teilweise ist das Fachwissen der Lehrer aber auch einfach erschreckend. So sollte ich heute zum Beispiel eine Klassenarbeit für die oben erwähnte Englischlehrerin ausdrucken und hab dabei gleich mal jede zweite Aufgabenstellung wegen Rechtschreib- und Grammatikfehlern korrigiert. Auf der einen Seite hab ich nen schlechtes Gewissen, gerade mal drei Wochen hier zu sein, nicht mal studiert zu haben und ner Lehrerin, die wahrscheinlich seit 30 Jahren unterrichtet, erklären zu müssen, wie sie ihren Job zu machen hat. Auf der anderen Seite kann ich meinen Mund einfach nicht halten, wenn man durch ganz einfache Verbesserungen dafür sorgen kann, dass die Kinder besser lernen.
Mrs Usha Varma ist aber ganz froh über meine konstruktive Kritik.

Ab nächstem Monat werden Immanuel und ich wohl Internet in unserer Wohnung haben. Eigentlich hab ich mir aber vorgenommen nicht zu viel vorm Rechner rumzuhängen.

Ach ja, Immanuel hat übrigens zwei Fotoalben eingerichtet, in denen er jede Menge Bilder von seiner und meiner Kamera hochgeladen hat. Wer interessiert ist, kann ja mal reinschauen…
Immanuels Bilder
Meine Bilder

Hier aber auch noch ein paar ausgewählte Bilder von mir.


Bild 1: Kalamandalam Leelama in Aktion!


Bild 2: Der Taj Mahal


Bild 3: Das oben erwähnte Einkaufszentrum: „DLF Place“


Bild 4: Der Mann aus der Prosthetic & Orthotic Unit, sein Zimmer und ich


Bild 5: Müll und Kot in Delhi


Bild 6: Müll, Kot und Kühe in Delhi


Bild 6: Der vollste Bus, den ich je erlebt habe. Ich hoffe man erkennt ein bisschen was...


Bild 7: Eine Metro-Station in Delhi. Während draußen alles verdreckt ist und jeder seinen Müll einfach auf dem Bürgersteig entleert, wird die hochmoderne Metro komischerweise von allen Bürgern sauber gehalten.

Dienstag, 14. Juli 2009

Joaa

Eigentlich wollte ich das alles schon gestern schreiben, aber irgendwie war das Internet tot und nach einer halben Stunde warten im Internetcafé hatte ich genug… Solche Probleme sind in Indien aber alltäglich…

Naja, am Freitag mussten wir nicht in die Schule, weil wir von AFS in Zusammenarbeit mit einer anderen NGO im Rahmen einer Umweltschutzaktion in einem kleinen Park in Neu Delhi Bäume pflanzen waren. Bei den hohen Temperaturen und vor allem der hohen Luftfeuchtigkeit war das trotz kurzer Schauer natürlich extrem schweißtreibend.

Danach sind wir gemeinsam mit den anderen AFSlern (also einheimische volunteers und Schüler bzw. Freiwillige aus aller Welt) ein bisschen auf Sightseeingtour durch Neu Delhi gegangen. Zuerst sind wir zum Humayun-Mausoleum, in dem ich als foreigner mit 250Rs mal gut und gerne den 25fachen Eintrittspreis der Einheimischen zahlen durfte. Das Humayun-Mausoleum ist quasi der Vorgänger des Taj Mahal – nur in kleiner und aus rotem Sandstein statt aus weißem Marmor.

Nach einem leckeren chinesischen Mittagessen, zu dem geschmecktes 300 Jahre altes, modriges Wasser serviert wurde, sind wir zum Connaught Place gefahren. Der Connaught Place ist Stadtzentrum, Verkehrsknotenpunkt und Einkaufszone und macht der Bezeichnung Neu Delhis als „Gartenstadt mit breiten Prachtstraßen“ nach anfänglichen Verwirrungen schließlich doch noch alle Ehre.

Anschließend sind wir zum Bangla Sahib Gurudwara – einem riesigen Sikh Tempel, bei dem aber Besucher jeglicher Konfessionen wilkommen sind. In einem Teil der riesigen Tempelanlage wird täglich für 10.000 Gäste umsonst Essen ausgeschenkt. Dieses wird von Freiwilligen zubereitet und auch wir haben ein bisschen mitgeholfen.

Am Samstag sind Immanuel und ich ein bisschen auf eigene Faust losgezogen. Zuerst waren wir in unserm Distrikt ein bisschen einkaufen, sind dann aber mit dem Bus zum Connaught Place. Dort haben wir uns mit Abhinav, einem Freund und AFS-Freiwilligen, getroffen. Unter anderem haben wir uns ein Set „traditionelle“ indische Kleidung gekauft, nämlich jeweils eine Curta und einen Pyjama (= in Indien kein Schlafanzug). Wenn ich die Kleidung mal zu einem passenden Anlass tragen werde, mach ich ein Foto und lade es hoch.

Mein Sonntag hatte mal ziemlich heimatliche Züge: über Nacht und Tag verteilt muss ich wohl mindestens 13h geschlafen haben. Irgendwie gings mir aber auch einfach nicht gut, da mir das Klima (zumindest an dem Tag) doch noch etwas mehr schaffen gemacht hat als sonst. Die Woche war allgemein aber auch einfach richtig anstrengend…

Nachdem ich den ganzen Sonntag geschlafen und gegammelt hab, konnte ich natürlich Sonntagnacht nicht schlafen und war am Montag mal wieder extrem unausgeruht.

Montag war in der Schule der erste Tag, an dem die Schüler da waren und die ganze Schule war direkt mit viel mehr Leben gefüllt. Dennoch waren Immanuel und ich wieder den größten Teil des Tages mit Power Point beschäftigt.

Naja, gestern war ich dann im Special Wing, um mit den Kindern zu spielen – das war zumindest der Plan. Von Spielen war allerdings nicht wirklich die Rede, eigentlich stand ich die meiste Zeit eher dumm rum und konnte keine wirklich nützliche Hilfe sein. Das lag aber auch daran, dass ich nur bis 9:15 Uhr da war. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich mit einer Gruppe von Kindern schwimmen gegangen, was sicherlich noch wesentlich interessanter gewesen wär. Am Dienstag wurden aber alle AFS students und volunteers aus Delhi zur registration abgeholt. Im registration office angekommen stellte sich aber heraus, dass ich mich mit meinem Tourist Visa gar nicht registrieren muss. Also war ich komplett umsonst da und hab mir die Stunden unter anderem mit einem kleinen Nickerchen vertrieben.

Heute hat der Monsun endlich mal ein bisschen eingesetzt und es hat ein paar Stunden ziemlich stark geregnet. Das war nach gestrigen 44 Grad C. aber auch mal bitter nötig. Leider mussten wir beim Regen auch feststellen, dass das Dach im Bad nicht so wirklich dicht ist. Aber egal, ist ja zum Glück nur das Bad…

Heute war ich morgends wieder erst im Special Wing, wo meine Tätigkeiten sich aber wieder so ziemlich auf die eines stillen Beobachters beschränkten. Hemmnis ist im Moment vor allem die Sprache, weil ich bis auf ein paar Sätze und Zahlen einfach noch kein Hindi spreche und deswegen auch nichts von dem verstehe, was Kinder und Lehrer sagen, beten und singen.

Nachdem es gestern nicht geklappt hat, hab ich eine Gruppe von Schülern heute dann doch noch zum Schwimmen begleitet und war gar nicht so lange im Special Wing. Mit einer Mischung aus meinem gekrüppeltem Hindi, dem minimalem Englisch der Schüler und beidseitigem wilden Gestikulieren konnte ich mit dieser Gruppe zumindest halbwegs kommunizieren.

So, allgemein geht’s mir gut – viel mehr hab ich grade nicht zu sagen.

Dann noch mal wieder ein paar Bilder zur Illustration.


Bild 1: Ich beim Bäume pflanzen am Freitag.


Bild 2: Das Humayun-Mausoleum. Die gesamte Anlage ist aber noch wesentilch größer.


Bild 3: Eine Gärtnerin (oder so ähnlich) im Humayun-Mausoleum. Freundlich wank sie uns zu sich herüber, als sie sah, dass wir Kameras in der Hand hatten. Nach den Fotos mit ihr wollte sie dann plötzlich Geld, was wir aber gekonnt ignoriert haben. Hätten wir ihre Absicht von vornherein verstanden, hätten wir es natürlich gelassen, aber die anderen waren anscheinend genauso gutgläubig wie ich...


Bild 4: Der Bangla Sahib Gurudwara von außen. Auch hier ist die gesamte Anlage noch viel, viel größer.


Bild 5: Ein Teil der zur Tempelanlage gehörenden Küche. Wir machen Chapati, ein Brot, das hier eigentlich zu jeder Mahlzeit gehört.


Bild 6: Immanuel und unsere “Gastfamilie” am Essenstisch. Von links nach rechts: Immanuel, Clini Babu, Bini Babu und Mr Babu. Die jüngere Tochter Binju Babu fehlt leider gerade.