Es folgten eine Menge Feiertage und ein Zeitraum, in dem Schüler nicht kommen mussten, sodass ich eine zweiwöchige Pause zugestanden bekam und ich vom 22. März bis 4. April nochmal eine etwas größere Reise antreten konnte. Begleitung war leider nicht auffindbar: Immanuel bekam Besuch von seiner Mutter, und auch alle anderen bekamen entweder ebenfalls Besuch oder aber mussten Arbeiten. Also hab ich mich alleine losgemacht und habe mir als ersten Stopp die für ihren Tee bekannte Hills Station Darjeeling im Osten Indiens ausgesucht. Wo es von da aus weitergehen sollte, wusste ich noch nicht so Recht, aber die bevorstehenden 29h Zugfahrt sollten ja genug Zeit zum planen geben; besonders, wenn man die 8h Verspätung hinzuzieht...
In Darjeeling habe ich in meinem Hotel dann direkt am ersten Abend einen Dänen namens Nicolai kennen gelernt, der plante mit einem Israeli, den er soeben im Schlafsaal kennen gelernt hatte, nach Sikkim trekken zu gehen. Spontan beschloss ich, mich den beiden anzuschließen.
Den nächsten Tag schaute ich mich gemeinsam mit Nicolai erstmal in Darjeeling um und wir besorgten, das nötige Permit, das man braucht, um den Staat Sikkim zu bereisen. Dann besichtigten wir eine Teeplantage, das "Happy Valley Tea Estate". So schön und romantisch, die bergigen Teeplantagen auch aussehen, bei einer Tour durch die Fabrik schwang unterschwellig mit, dass die Teepflücker unterm Strich weniger als 50ct am Tag für ihre schweißtreibende Arbeit verdienen. Besitzer des Tea Estates ist ein Deutscher, verkauft wird der Tee exklusiv in einer Edelbotique in London namens "Harrod's"....
Ein bisschen enttäuscht, dass wir die Berge aufgrund des ewigen Nebels noch nicht so recht bestaunen konnten, machten wir uns am nächsten Tag zu dritt auf nach Sikkim. Sikkim ist ein kleiner Bundesstaat im indischen Himalaya und liegt zwischen Nepal, Tibet und Bhutan. Menschen, Verhaltensweisen, Klima, Landschaft, ... - alles ist ganz anders als im restlichen Indien; Sikkim ist quasi eine Auszeit von Indien. Es ist angenehm kühl, die Menschen sind freundlich, zufrieden und noch nicht so vom Tourismus verdorben wie in vielen anderen Gegenden. Es gibt keine Betrüger, keine aufdringlichen Abzocker, die versuchen, einen in ihr Hotel zu lotsen oder Drogen zu verkaufen.
Unsere Hoffnungen auf klare Sicht werden leider nicht erfüllt, doch wir haben trotzdem eine superschöne Zeit hier gehabt. Vier Tage lang sind wir in den Bergen durch Wälder und Natur, an Wasserfällen und Flüssen vorbei, von Dorf zu Dorf gewandert. Gewohnt haben wir in kleinen, simplen Guesthouses, die sich, zum Teil auf einsamen Hügeln gelegen, wie das Ende der Welt anfühlten.
Am letzten Abend wurden wir nach schweren Regenschauern schließlich doch noch mit einem aufklarenden Himmel belohnt und wir konnten zum ersten Mal die schneebedeckten, felsigen Berge und vor allem den Mt. Kanchenjunga, der mit 8598m der dritthöchste Berg der Erde ist.
Dann trennten sich unser aller Wege und ich machte mich auf nach Varanasi, wo ich mich mit Immanuel treffen würde.
Varanasi liegt direkt am Ganges, gilt als einer der heiligsten Orte Indiens und einige seiner Badeghats wurden schon in der Mahabharata, quasi der hinduistischen Bibel, erwähnt. Wer hier stirbt, wird angeblich von all seinen Sünden befreit; daher kommen viele Menschen zum sterben her. Außerdem werden an zwei Ghats (öffentlich) Leichen verbrannt.
Varanasis viele kleine, enge, verworrene Gassen haben sicherlich seinen ganz eigenen Charme und die vielen Ghats am Ganges entlang laden zu einem Spaziergang ein. Getrübt wird alles ein bisschen von nervigen Boots- und Drogenverkäufern, Bettlern und anderem aufdringlichen Volk. Außerdem war es mir im Vergleich zu Sikkim einfach viel, viel zu warm.
Generell hat mir Varanasi schon gut gefallen, ich glaube aber, dass zwei Tage sicherlich genug sind. Meine Erwartungen lagen nach Berichten von anderen Reisenden wohl im Vorhinein einfach zu hoch. Tatsächlich enttäuscht war ich aber trotzdem nicht, dafür war es doch zu gut!
Alles in allem war es eine tolle Reise! Ich bin alleine losgestartet, habe aber lediglich zwei Nachmittage und zwei Zugfahrten alleine verbracht; und über Ruhe im Zug bin ich im Normallfall eher dankbar - besser als Löcher in den Bauch gefragt zu bekommen...

Bild 1: Aiden und ich beim Klassenräume bemalen

Bild 2: Das "Happy Valley Tea Estate" in Darjeeling

Bild 3,4,5 und 6: Trekking durch West-Sikkim mit Nicolai aus Dänemark und Amit aus Israel
Bild 7: Kleine buddhistische Mönche auf dem Weg zum Dupdi-Kloster in Yoksum.
Bild 8: Spielendes Kind am Kathok Lake in Yoksum. Vorsicht: Blutegel!
Bild 9: Wir trinken Thongba (tibetisches Bier) - das Glas ist zu 80% mit Hirse gefüllt, dann wird ständig mit heißem Wasser nachgefüllt, sodass sich der Alkohol bildet. Schmeckt wie schlechter Wein, ist aber sehr effektiv und bringt definitiv Langzeitspaß!
Bild 10: Schliesslich doch noch ein klarer Tag in Sikkim: Sicht auf die Kanchenjunga Mountainrange von Pelling aus.
Bild 11: Morgenstimmung am Ganges in Varanasi
Bild 12: Morgendliches Waschritual
Mehr Fotos gibts bald im Fotoalbum unter März und April!




