Freitag Abend sind wir dann zum Busbahnhof und haben versucht in dem Chaos unbeschrifteter Busse ohne Fahrpläne einen Bus nach Rishikesh zu finden. Von einem Bekannten in der Schule wurde uns ein Air Conditioned Bus für 150Rs versprochen. Was wir bekamen was ein Bus ohne Air Condition, der seine besten Jahre eindeutig schon hinter sich hatte - das ist dann wohl der foreigner Preis. Für mich war mangelnde Komfort des Busses aber gar kein großartiges Problem. Abgesehen von den Mücken, die meinen Füßen wohl so um die 50 Stiche verpasst haben, war alles super und ich konnte trotz des ewigen Ruckelns und Holperns sogar ein bisschen schlafen ohne von meinem Sitz runterzufallen. Jetzt hab ich die mangelnde Infrastruktur mal tatsächlich erfahren: In Delhi ist ja alles super modern ausgebaut, aber schon ein paar km vor Delhi kann man kaum noch von Straßen sprechen… Für die fast 350km sind wir dann also schon mal gute 7 ½ Stunden gefahren. Schließlich kamen wir dann auch an, stellten dann aber zu unserer Verwunderung nach einem 10 Minütigen Fußwmarsch fest, dass wir ja doch noch gar nicht in Rishikesh, sondern erst in Haridwar waren. Das Taxi war aber dann doch schnell organisiert und ab gings nach Rishikesh!
Als wir dann doch schließlich war ich von Anfang an total begeistert. Der totale Gegensatz von Dehli. Rishikesh ist eine ruhige, heilige Stadt am Ganges umrundet von den Ausläufern des Himalayas. Die Stadt ist Ziel vieler hinduistischer Pilger und bekannt als Zentrum für Yoga und Meditation. Es wimmelt hier nur so von Ashrams (= klösterliche Meditationszentren), Tempeln, Sadhus und sonstigem spirituellen Volk.
Wir haben uns dann direkt eine Unterkunft gesucht und haben letztendlich in einem schlichten Hotel ein Zimmer für 200Rs bekommen. Zu Fuß haben wir uns dann auf den Weg gemacht und wollten eigentlich zu dem Ashram, in dem schon die Beatles in den 60er Jahren einige Wochen verbracht haben. Stattdessen sind wir aber wohl mal falsch abgebogen und befanden uns auf einmal auf einem Pilgerweg quer durch die Natur über einen der Rishikesh umrandenen Berge. Völlig begeistert von unserem Glück sind wir immer weiter gelaufen und haben den ganzen Berg erklommen. Da haben wir dann noch zwei Inder getroffen, die ungefähr genauso viel Englisch gesprochen haben wie ich Hindi – für die gröbste Verständigung hats aber gereicht. Auf der anderen Seite des Berges war dann ein Tal umrandet von Bergen. In dem Tal war ein Dorf und ein Tempel, zu dem die Hindus nur so hinströmten. Die Fotos können die tatsächliche Schönheit dieses Ortes leider kaum einfangen…
Für den Rückweg haben wir dann einen Jeep genommen. Weil wir ziemlich kaputt waren, haben wir uns einen Mittagsschlaf gegönnt, der leider viel länger ausgefallen ist als ich es mir vorgenommen hatte.
Dann sind wir in Ruhe losgezogen und haben in einem dhaba mit Blick auf dem Ganges gemütlich zu Abend gegessen. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Straßen geschlendert und sind in einem super netten Café gelandet, in dem wir uns ein paar frisch gepresste Säfte und noch einen kleinen Nachtisch gegönnt haben. Wir waren aber doch ziemlich müde und erschöpft vom Tag und sind dann doch gar nicht so spät zu Bett.
Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich einen schönen Spaziergang machen, bin aber gerade mal 100m weit gekommen, weil ich an dem kleinen Straßenstand eines Mannes hängen geblieben bin. Eigentlich wollte ich ja gar keinen Kaffee, aber dann hab ich doch einen genommen und hab dann letztendlich auch direkt eine ganze halbe Stunde mit dem Mann verbracht. Er kam aus Delhi ist aber Delhi entflüchtet und wohnt jetzt in Rishikesh. Dort versucht er genügend für die Hochzeit seiner Tochter zu sparen, um daraufhin mit seiner Mutter zum Beten und Meditieren in die Berge zu ziehen. Die einfachen Leute sind doch einfach immer die Spannendsten!
Dann hab ich noch schnell ein kurzes Bad im Ganges genommen, womit jetzt wohl alle meine Sünden von mir abgewaschen sind und ich wieder ein guter Mensch bin! YES!
Gemeinsam mit Immanuel gings weiter zum „Beatle’s Ashram“, den wir dieses mal sogar auf Anhieb gefunden haben. Obwohl auf dem Tor in dicken Buchstaben „NO ENTRY!“ geschrieben stand, kam natürlich schon beim Vorbeilaufen ein Mann zum Tor gerannt, der uns erklärte, dass er uns nur gegen eine Gebühr reinlassen könne. Die 30Rs waren uns dann aber auch egal und es hat sich in der Tat gelohnt. Der Ashram ist zwar doch ganz schön verkommen und nicht mehr in Benutzung, ich konnte mir aber trotzdem ungefähr vorstellen wie das Leben dort gewesen sein muss. Der Ort strahlte einfach eine unglaubliche Ruhe und Stille aus.
Nach einem Frühstücks-Mittagessen haben wir uns dann so ab 14 Uhr bemüht in Richtung Delhi zu kommen, worauf wir um 16:30 Uhr nach einigen Fußmärschen, einem völlig überladenen Auto-Rickshaw, einer schlechten Bahnauskunft und vielem Rumfragen schließlich doch noch im Bus nach Delhi saßen (der übrigens dieses Mal nur 117Rs gekostet hat).
Heute in der Schule war ich dann doch ziemlich kaputt, weil wir halt letztendlich doch erst um 1:00 Uhr nachts bei uns in der Wohnung angekommen sind.
Eigentlich wäre auch heute frei gewesen – ist ja schließlich der letzte Arbeitstag im Monat. Heute war aber leider Gottes Mrs. Usha Varma’s letzter Tag und deswegen sind wir trotzdem gekommen. Das die in Rente geht ist wirklich unglaublich schade – ich kann mir gar nicht vorstellen wie der Laden ohne sie laufen soll. Also so viel Glück wie mit ihr können wir mit ihrer Nachfolgerin einfach gar nicht mehr haben….
Dann zum Schluss noch ein paar Bilder vom Wochenende. Wesentlich mehr Bilder sind aber in den Fotoalben zu finden.
Bild 1: Rishikesh
Bild 2: Auf Wanderung durch die Ausläufer des Himalayas
Bild 3: Affen und Pilger auf dem Weg
Bild 4: Der Blick zurück auf den Ganges
Bild 5: Auf dem Weg noch schnell den Segen eines Gurus mitgenommen
Bild 6: Blick ins Tal
Bild 7: Blick ins Tal Nummer 2
Bild 8: Schlange stehen im Tempel
Bild 9: Abends im Café Little Buddha: Ich kämpfe mit meinem Jumbo Chocolate Ball
Bild 10: Der Eingang zum "Beatle's Ashram"
Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen