Hinter mir liegt ein langes Wochenende – seit Montag ist zwar schon wieder Schule, aber davor bin ich nicht zum schreiben gekommen.
Freitag war nämlich frei, weil es der letzte Arbeitstag im Monat war. Irgendwie gilt dieser (scheinbar erfundene) Feiertag, aber nicht für normal Angestellte, sondern nur für Immanuel und mich. Demnach mussten alle anderen Freitag und Samstag arbeiten, während wir nicht nur wie gewohnt Samstag, sondern auch Freitag frei hatten. Hätten wir das mal eher erfahren, hätten wir vielleicht mal einen ersten größeren Trip nach Rajasthan oder so unternehmen können, aber dem war ja dann nun mal leider nicht so…
So beschränkte sich die Wochenendplanung dann doch eher auf eine tägliche Sightseeingtour.
Am Donnerstag sind Immanuel und ich schon mal zum Connaught Place und haben dort den unterirdischen Palika Bazaar ein bisschen erkundet. Hier versuchen die aufdringlichen Verkäufer durch ständiges ans Ohr labern ihre facettenreichen Waren unter den Mann zu bringen, die unter anderem von Büchern und Kleidung über Computerspiele und USB-Sticks bis hin zu „Porn Movies“ reichen können.
Später waren wir dann noch bei der Sternwarte Jantar Mantar, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Hier konnten die Menschen früher anhand des Schattenwurfs von gigantischen Sonnenuhren früher die Zeit, Sonnen- und Mondkalender, sowie astrologische Bewegungen bestimmen. Heute gibt die Jantar Mantar ein bisschen den Eindruck eines Spielplatzes für Erwachsene. Was für viele Menschen sicherlich vor allem vom wissenschaftlichen Standpunkt aus interessant ist, war für mich auch einfach schön anzusehen. Bemerkenswert ist wie es so gut wie keine Geländer, Absperrungen oder ähnliches gibt, selbst da nicht, wo man sich in Höhen befindet, die beim Fall sicherlich den Tod bedeuten würden.
Die Inder haben allgemein einfach ein völlig anderes Verständnis von Sicherheit als wir es gewöhnt sind. Beim Motorradfahren trägt so zum Beispiel nur der Fahrer einen Helm, während der Beifahrer ungeschützt mitfährt. Der Fahrer trägt den Helm also nicht aus Überzeugung und aus Sicherheitsbedürfnissen, sondern einfach nur, weil es das Gesetz vorschreibt. Ganz ähnlich ist es auch beim Autofahren: Gurte tragen generell nur diejenigen, die vorne sitzen. Die hinten brauchen keine Gurte tragen, weil sie sich ja schließlich nicht strafbar machen, wenn sie keine tragen. Bei Bauarbeiten an Rohren oder ähnlichem befinden sich hier teilweise tiefe Löcher in den Bordsteinen, die selbst im Dunkeln weder beleuchtet, noch anderweitig abgezäunt sind. Trotzdem geht’s aber irgendwie immer gut; ich hab jedenfalls noch keinen reinfallen gesehen…
Am Freitag hatten wir eigentlich vor mal ein bisschen Delhi Nightlife zu erfahren. Ich hab mich dann an einen indischen Bekannten gewandt; durch meinen miesen Handyprovider kam aber nur die Hälfte meiner Mitteilungen an, was zu einer Reihe von Missverständnissen führte.
Gegen 18:30 Uhr trafen wir dann schließlich nach einer riesigen Hetze und jeder Menge Stress am Khan Market auf Adil und seinen Freund Manish, die dort schon seit zwei Stunden auf uns warteten. Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen hatten (was vor allen Dingen dem Zweck diente, die großen Scheine klein zu bekommen) sind wir dann zum Lotus-Tempel gefahren, der natürlich etwa 15min vor unserer Ankunft geschlossen hatte. Nach dem gescheiterten Lotus-Tempel-Besuch sind wir dann wieder weiter gefahren, um woanders noch was zu essen, was auch eigentlich noch ganz lustig war. Ergebnis des Tages war jedenfalls eine ganze Menge Rumfahrerei; von Delhis Nachtleben dagegen hab ich aber immer noch nicht allzu viel erfahren. Ob ich überhaupt noch richtig in diesen Genuss kommen werde, ist momentan aber auch noch ein bisschen fraglich. Alkohol ist nämlich erst ab 25 und in Bars, Clubs oder ähnliches darf man meines Wissensstandes nach erst ab 21 Jahren. Ich werde sehen, was die Zukunft diesbezüglich bringen wird…
Am Samstag hab ich mit Monishaah getroffen, die ich im Special Wing bei der Arbeit mit den behinderten Kindern unterstütze. Sie ist mit ihren 21 Jahren noch ziemlich jung und vielleicht macht die Arbeit in diesem Bereich auch unter anderem deswegen so viel Spaß. Monishaah und ihr älterer Bruder haben mich dann gemeinsam durch den Chattar Pur Mandir, einen ziemlich großen Hindu-Tempel hier in Vasant Kunj (= der Stadtteil in dem ich lebe), geführt. Nachdem ich anschließend auch noch kurz weitere Familienmitglieder kennen gelernt habe, wurde ich natürlich auch direkt für nächste Woche zum Essen eingeladen.
Am Sonntag waren Immanuel und ich ein paar Stunden im National Museum. Danach hab ich dann zum ersten Mal richtiges Essen von den Straßenständen probiert, was mein Magen glücklicherweise problemlos verkraftet hat. Abends gings dann kulinarisch weiter, als ich gemeinsam mit Bini Parantas, eine Art Fladenbrot mit geringer Ölfüllung in Dreiecksform, gemacht hab. Bisher sind meine indischen Kochkünste noch relativ gering, aber das wird sich hoffentlich noch ändern.
Heute bin ich mal ganz auf eigene Faust Richtung Innenstadt New Delhi losgezogen. Eigentlich hatte ich jede Menge Sachen vor, aber letztendlich konnte ich nur die National Gallery of Modern Art abhaken. Ich war über drei Stunden drin, aber die Menge von Bildern war einfach so gewaltig, dass ich am Ende eigentlich schon gar nichts mehr aufnehmen konnte. Ein bisschen ueberrascht hat mich WIE modern die Knustwerke aus neuerer Zeit waren, die auch Tabuthemen ohne Scheu und Verharmlosung offen darstellen. Ich kann mir gut vorstellen wie so manch traditioneller Inder da nur noch den Kopf schütteln kann.
Bild 1: Eine kleine Impression zu dem bisschen Monsun, was ich in Delhi bisher erlebt habe. Der Monsun, der ja eigentlich seit ungefähr zwei Monaten da sein soll, was bisher nur an 5-6 Tagen zu spüren. Einige Leute sprechen von einem Dürrejahr; jedenfalls ist es meistens abartig heiß!
Bild 3: Von Geländern und Absperrungen keine Spur
Bild 4: Ebenso
Bild 5: Der Chattar Pur Mandir
Bild 6: Monisha und ich vor einer Statue des Gottes Hanuman
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