Montag, 19. Oktober 2009

Diwali & Video

Dieses Wochenende war Diwali, das sogenannte "Fest der Lichter", welches in Nordindien den Neujahrstag markiert.

Gefeiert wird aber hauptsächlich in der Familie, sodass ich abgesehen von jeder Menge Böller, Feuerwerk und beleuchteten Straßen, Bussen und Häusern nicht allzuviel vom eigentlichen Fest mitbekommen habe.

Ein Freund hätte uns zwar eingeladen, ist aber fälschlicherweise davon ausgegangen, dass wir mit unseren Landlords, den Babus, feiern.

Hier ein paar kleine Bildimpressionen zu Diwali:





Ansonsten hat mir das lange Wochenende ohne große Pläne viel Zeit zum lesen und entspannen gegeben. Außerdem habe ich den riesigen Zeitüberschuss genutzt, um nachträglich eine kleine Slideshow mit Immanuels und meinen Fotos von unserer Rajasthan-Reise zu erstellen:

Donnerstag, 1. Oktober 2009

Backpacking durch Rajasthan

Am Mittwoch vor zwei Wochen wurde Immanuel und mir gutmütiger Weise mitgeteilt, dass die nächste Woche Ferien seien. Diese Zeit wollten wir natürlich nicht ungenutzt lassen und haben so eine spontane Rucksackreise durch Rajasthan organisiert. Nun gut… organisiert? Eigentlich lief alles doch ziemlich spontan.

Nachdem ich mich Donnerstag insgesamt 6 Stunden durch die Bahnhöfe, Schalter und Menschenmassen der New Delhi Railwaystation und der Old Delhi Railwaystation gekämpft hatte, konnte ich als Ergebnis lediglich ein teures Ticket für eine der oberen Klassen vorweisen. Dieses durfte ich unter ärgerlichen 25% Cancellation-Gebühren dann aber auch gleich wieder umtauschen, als ich feststellte, dass der Zug so früh morgens abfährt, dass wir noch auf der Arbeit sind. Dumm gelaufen: kein Zugticket und kein Plan wie und wann es jetzt losgehen soll.

Nach vielem hin und her standen wir schließlich Samstag erneut am Bahnhof, mussten jedoch wieder mit leeren Händen gehen, weil sämtliche Züge (zu unserem gewünschten Ziel) noch immer restlos ausgebucht waren. Ich hab dann einen Bekannten angerufen, der in der Nähe des Busbahnhofs wohnt. Er hat uns dann netterweise alles organisiert, sodass wir nach einem gemeinsamen Abendessen im Nachtbus nach Jaipur saßen.
Ursprünglich hatten wir die Route zwar genau andersrum vor, aber besser so rum als gar nicht…

Rajasthan ist übrigens der größte Bundesstaat Indiens (ungefähr die Größe von Deutschland), liegt im Westen Indiens und ist ein beliebtes Reiseziel, da das traditionelle Rajasthan für viele Touristen quasi die Essenz der indischen Kultur darstellt.

Die Route, die sich mehr oder weniger spontan ergeben hat sah dann wie folgt aus: Jaipur – Pushkar – Ajmer – Jodhpur und schließlich Jaisalmer (also einmal von Ost nach West durch Rajasthan).

Wie das auf einer Reise durch Indien so ist, haben wir viel gesehen, viel erlebt und viele neue Leute aus Indien und aller Welt kennen gelernt. Die Erfahrungen im Detail wiederzugeben sind eigentlich kaum möglich und jetzt frage ich mich grade, ob es überhaupt sinnvoll ist über jeden einzelnen Ort zu schreiben.
Kleine Anekdoten wären zwar sicherlich noch wesentlich interessanter, aber weil es begünstigt von einem Feiertag heute schon wieder übers Wochenende auf Reisen geht, ist die Zeit zum schreiben gerade doch eher knapp bemessen. Von daher werde ich mich wohl auf Stichpunkte beschränken.

1. Station: Jaipur
  • nach nächtlicher Zugfahrt trotten wir in den frühen Morgenstunden vor Sonnenaufgang durch Jaipur, um eine Unterkunft zu finden
  • begleitet wird unsere Suche von einer Unmenge von Schleppern und sonstigem Betrügervolk, die uns unbedingt in Hotel IHRER WAHL bringen wollen, um eine saftige Provision zu kassen
  • ein besonders übereifriger Auto-Fahrer lässt sich nach einer halben Stunde Verfolgung durch die Straßen Jaipurs erst durch ein wütend geschrienes „We don’t need your help, now get the fuck out of here! abschütteln, was von Einheimischen Fußgängern verständnisvoll beschmunzelt wird
  • nach einigen Stunden Schlaf in einer Unterkunft, die sehr an eine Gefängniszelle erinnert, begeben Immanuel und ich uns in die Altstadt Jaipurs und besichtigen die Märkte und den Wind Palace („Hawa Mahal“)
  • auf der Suche nach dem Elefantenbasar irren wir lange Zeit durch die Wohngebiete, in die sich die Touristen normalerweise wohl weniger rein begeben und werden dementsprechend überraschend von den Einheimischen begafft und verfolgt
  • ebenso überrascht ist Manu, der eigentlich in Goa wohnt und zur Zeit nur wegen des islamischen Festivals „Eid“ in seiner Heimat Jaipur ist, und uns doch gleich mal auf eine Tasse Chai zu sich nach Hause und zum gemeinsamen Feiern am nächsten Tag einlädt
  • die Abzocke eines Auto-Fahrers gerade noch rechtzeitig gewittert, steigen Immanuel und ich im letzten Moment aus, um die hinter einem Hügel östlich von Jaipur liegenden alten Tempel von Galta doch lieber zu Fuß zu erklimmen
  • die Stätte stellt für uns ein absolutes Highlight da, denn heute bleibt der Tempelbezirk den mehr als 5000 hier lebenden Affen überlassen
  • fernab von aufdringlichen Auto-Fahren, Händlern und ähnlichem genießen wir von dem Hügel aus in aller Ruhe den Sonnenuntergang
  • am nächsten Tag werden wir auf den Straßen von den ganzen Muslimen mit Umarmungen und einem Herzlichen „Eid mukabat!“ begrüßt, was so viel heißt wie „Happy Eid!“
  • wir rufen Manu an und gehen mit ihm ins Haus seines Freundes Khan, um mit ihm und seinen Freunden „Eid“, also das Ende des Fastenmonats zu feiern und werden sogar zu einer muslimischen Hochzeit zwei Wochen später eingeladen
  • auf unterschwelliges Drängen von Khan hin fahren wir gemeinsam mit den beiden zu diesem Wholeseller namens „Soul of India“, wo jede Menge indische Handicrafts und ähnliches zu angeblich supergünstigen Preisen angeboten werden; das Geld komme dabei sogar noch einem guten Zweck zu Gute
  • wir bekommen eine Tour durch die Produktionsstätten und die Lager und können in aller Ruhe ohne bedrängt zu werden einkaufen; erst einen Tag später wird uns klar, dass wir uns wohl doch an der Nase rumführen haben lassen und, dass gerade das nicht Drängen die eigentliche Masche war
  • offen bleibt, inwiefern wir Manu und Khan noch trauen können; jedenfalls haben sie auch nach unserer Abreise versucht, den Kontakt weiter aufrecht zu erhalten; wir haben uns jedoch sicherheitshalber dafür entschieden nicht mehr zu antworten und lieber auf die Hochzeit zu verzichten


2. Station: Pushkar

  • nach unserm absoluten Unternehmungsmarathon in Jaipur, lassen wir es in Pushkar doch ein bisschen entspannter angehen
  • die eigentliche Haupattraktion, der Lake Pushkar, ist auf eine kleine Pfütze geschrumpft und reduziert das angeblich sonst so muntere Treiben doch stark
  • wir schauen uns vom nach Osten ausgerichteten Gayitri Tempel den Sonnenaufgang an und gehen danach wieder schlafen
  • nachmittags laufen wir durch die Straßen Pushkars und besichtigen den Brahmaji Tempel im Zentrum Pushkars (der einzige Brahma gewidmete Tempel ganz Indiens); wir sind aber doch eher genervt von der Unmenge von Leuten, die uns Blumen andrehen wollen, die wir in den See schmeißen sollen, um danach natürlich Geld zu spenden – ich hasse es zu sehen wie Religion hier kommerzialisiert wird und um dieses System nicht zu unterstützen haben Immanuel und ich uns vehement dagegen gewehrt, diese blöden Blumen in den blöden auf eine Pfütze minimierten See zu werfen
  • abends erklimmen wir den nach Westen ausgerichteten Savitri Tempel und werden zum Sonnenuntergang mit unvergleichlichen Ausblicken auf die ringsum von Wüste umgebene Stadt belohnt; hier haben wir schließlich doch noch einen aufrichtig netten, etwa gleichaltrigen Inder aus Jaipur getroffen, den wir in näherer Zukunft sicher mal besuchen werden

3. Station: Ajmer
  • in dem doch eher unspektakulären Ajmer verbringen wir nur einen Tag und reisen direkt am Abend über Nacht weiter nach Jodhpur
  • in Ajmer besichtigen wir einen Jain Tempel, ein paar Moscheen und machen eine kleine Botsfahrt auf dem eklig, grünen Wasser
  • in Anbetracht der völlig verwirrenden Namen der Sehenswürdigkeiten wie „Adhai-din-ka-Jhonpra“, „Khwaja Muin-ud-din-Chishti Dargah“ oder „Soniji-ki-Nashiya Hall“ fällt die Orientierung doch etwas schwer und meine Geduld ist begünstigt von ewig aufdringlichen Verkäufern beinahe am Ende
  • der abendliche Aufstieg des „Taragarh Forts“ scheitert leider, da die lokalen Auto-driver mich entweder einfach nicht verstehen oder wahrscheinlich einfach nicht verstehen wollen, da ihnen die Fahrt zum Fort verboten ist; stattdessen landen wir verärgert zum vierten Mal vorm Khwaja Muin-ud-din-Chishti Dargah“ und dürfen auch noch dafür bezahlen
  • nach einstündigem Irren durch die Gassen und Slums von Ajmer finden wir aber doch noch ein ganz ruhiges, erhöhtes Plätzchen, von wo aus uns zum einen der Ausblick über die Stadt gewährt wird, und, wo wir zum anderen gut auf den nächtlichen Bus nach Jodhpur warten können

4. Station: Jodhpur
  • in Jodphur kommen wir doch etwas überfrüht an und wirren so um 2:30 Uhr durch die menschenleergefegten Straßen Jodhpurs, die Nachts einzig und allein den Hunden überlassen werden
  • eine Unterkunft in der Nähe des „Meherangarh Forts“ bereits im Blick, halte ich auf den unteren Mauern des Forts ein kleines Nickerchen und erwarte den Morgen (der in Indien glücklicherweise schon so um ca. 4:30-5:00 Uhr beginnt)
  • erschöpft von den nächtlichen Anstrengungen legen wir uns erstmal schlafen und begrüßen den Tag dann mit einem ausgiebigen Mittagessen auf der Dachterrasse des Guest Houses
  • dann ziehen wir los, um Jodhpur zu erkunden: wir besichtigen den Marmorbau Jaswant Thanda, den Uhrturm, den Markt, trinken einen speziellen "Makhania Lassi" mit Sahne, Safran und Kardamom, der doch eher seltsam als lecker schmeckte, besichtigen zwei künstliche Seen und fahren anschließend mit einem Auto zum Umaid Bhawan Palast, der zu einem Drittel vom gegenwärtigen Maharadscha bewohnt und zum Rest als Luxushotel genutzt wird
  • beim Abendessen im Hotel lernen wir ein drei nette Briten kennen und treffen eine bei der Besichtigung des Forts am nächsten Morgen wieder
  • Nachmittags schlendern wir gemeinsam mit ihr durch die Straßen, trennen uns aber später
  • relativ planlos laufen wir in Richtung eines spannend aussehenden riesigen, blauen Felsblocks und werden auf dem Weg von ein paar Einheimischen auf eine Party Carrom eingeladen (eine Art indisches Billiard, bei dem man Chips schnipst statt Kugeln zu stoßen)
  • an dem Felsblock angekommen frage ich ein paar herumstehende Inder auf Hindi, ob man denn auch raufgehen könnte, woraufhin einer der Männer einen Schlüssel holt und ein Tor aufschließt; eine Gruppe von Kindern begleitet uns hinauf, wobei sich herausstellt, dass sich oben auf dem Felsblock ein kleiner Tempel befindet
  • mit netten Erfahrungen und der Erkenntnis, dass wir auf unserer Reise durch Rajasthan doch noch ehrliche Inder ohne wirtschaftliche Hintergedanken getroffen haben, machen wir uns am Abend auf den Weg zum Busbahnhof, um mit dem letzten Bus um 22:00 Uhr über Nacht nach Jaisalmer zu fahren; der Bus ist leider verfrüht ohne uns abgefahren, sodass wir uns die Nacht an Bahnhof und Busbahnhof um die Ohren geschlagen und stattdessen dann den ersten Bus um 5:00 Uhr genommen haben

5. Station: Jaisalmer
  • erschöpft von der anstrengenden Nacht und Busfahrt in Jaisalmer, der Stadt mitten in der Wüste Thar, angekommen, legen wir uns erstmal wieder schlafen
  • alleine mache ich mich auf den Weg, die Stadt und das Fort, das noch immer bewohnt wird, zu erkunden
  • abends suchen wir ein nettes Restaurant und landen im Wohnzimmer einer ca. 80-jährigen alten Dame, die vor unseren Augen für uns kocht - echte indische Hausmannskost
  • am nächsten Tag begeben wir uns über Nacht auf eine Kamel-Safari durch die Wüste Thar und genießen den atemberaubenden Sternenhimmel von unserem Nachtlager in den Sanddünen aus
  • mit wunden Pobacken, Muskelkater und sonstigen Blessuren ruhen wir uns erschöpft im Hotel aus
  • ich schaue mir mal wieder den Sonnenuntergang an und wir gehen mit einer Amerikanerin, die gemeinsam mit uns auf der Safari war, essen
  • am nächsten Tag nutzen wir die Zeit, um uns Jaisalmer doch nochmal genauer anzuschauen und bestaunen die prachtvollen Havelis und den, um einen See gelegenen, Tempelbezirk
  • gerade rechtzeitig wird uns klar, dass unser Zug ja doch gar nicht am nächsten Tag, sondern schon heute fährt, woraufhin wir vom Hotel zum Bahnhof gebracht werden und 18h Zugfahrt nach Delhi über uns ergehen lassen

Um mit den Worten eines Mönchs aus Jaipur zu enden: "Bye, bye, namaste und hare krishna!"