Montag, 31. August 2009

Auf Reisen in Rishikesh

Dieses Wochenende bin ich zum ersten mal gereist. Es war zwar nicht mal ein langes Wochenende, aber Immanuel und ich wollten einfach auch mal endlich raus aus Delhi...

Freitag Abend sind wir dann zum Busbahnhof und haben versucht in dem Chaos unbeschrifteter Busse ohne Fahrpläne einen Bus nach Rishikesh zu finden. Von einem Bekannten in der Schule wurde uns ein Air Conditioned Bus für 150Rs versprochen. Was wir bekamen was ein Bus ohne Air Condition, der seine besten Jahre eindeutig schon hinter sich hatte - das ist dann wohl der foreigner Preis. Für mich war mangelnde Komfort des Busses aber gar kein großartiges Problem. Abgesehen von den Mücken, die meinen Füßen wohl so um die 50 Stiche verpasst haben, war alles super und ich konnte trotz des ewigen Ruckelns und Holperns sogar ein bisschen schlafen ohne von meinem Sitz runterzufallen. Jetzt hab ich die mangelnde Infrastruktur mal tatsächlich erfahren: In Delhi ist ja alles super modern ausgebaut, aber schon ein paar km vor Delhi kann man kaum noch von Straßen sprechen… Für die fast 350km sind wir dann also schon mal gute 7 ½ Stunden gefahren. Schließlich kamen wir dann auch an, stellten dann aber zu unserer Verwunderung nach einem 10 Minütigen Fußwmarsch fest, dass wir ja doch noch gar nicht in Rishikesh, sondern erst in Haridwar waren. Das Taxi war aber dann doch schnell organisiert und ab gings nach Rishikesh!

Als wir dann doch schließlich war ich von Anfang an total begeistert. Der totale Gegensatz von Dehli. Rishikesh ist eine ruhige, heilige Stadt am Ganges umrundet von den Ausläufern des Himalayas. Die Stadt ist Ziel vieler hinduistischer Pilger und bekannt als Zentrum für Yoga und Meditation. Es wimmelt hier nur so von Ashrams (= klösterliche Meditationszentren), Tempeln, Sadhus und sonstigem spirituellen Volk.

Wir haben uns dann direkt eine Unterkunft gesucht und haben letztendlich in einem schlichten Hotel ein Zimmer für 200Rs bekommen. Zu Fuß haben wir uns dann auf den Weg gemacht und wollten eigentlich zu dem Ashram, in dem schon die Beatles in den 60er Jahren einige Wochen verbracht haben. Stattdessen sind wir aber wohl mal falsch abgebogen und befanden uns auf einmal auf einem Pilgerweg quer durch die Natur über einen der Rishikesh umrandenen Berge. Völlig begeistert von unserem Glück sind wir immer weiter gelaufen und haben den ganzen Berg erklommen. Da haben wir dann noch zwei Inder getroffen, die ungefähr genauso viel Englisch gesprochen haben wie ich Hindi – für die gröbste Verständigung hats aber gereicht. Auf der anderen Seite des Berges war dann ein Tal umrandet von Bergen. In dem Tal war ein Dorf und ein Tempel, zu dem die Hindus nur so hinströmten. Die Fotos können die tatsächliche Schönheit dieses Ortes leider kaum einfangen…

Für den Rückweg haben wir dann einen Jeep genommen. Weil wir ziemlich kaputt waren, haben wir uns einen Mittagsschlaf gegönnt, der leider viel länger ausgefallen ist als ich es mir vorgenommen hatte.

Dann sind wir in Ruhe losgezogen und haben in einem dhaba mit Blick auf dem Ganges gemütlich zu Abend gegessen. Danach sind wir noch ein bisschen durch die Straßen geschlendert und sind in einem super netten Café gelandet, in dem wir uns ein paar frisch gepresste Säfte und noch einen kleinen Nachtisch gegönnt haben. Wir waren aber doch ziemlich müde und erschöpft vom Tag und sind dann doch gar nicht so spät zu Bett.

Am nächsten Morgen wollte ich eigentlich einen schönen Spaziergang machen, bin aber gerade mal 100m weit gekommen, weil ich an dem kleinen Straßenstand eines Mannes hängen geblieben bin. Eigentlich wollte ich ja gar keinen Kaffee, aber dann hab ich doch einen genommen und hab dann letztendlich auch direkt eine ganze halbe Stunde mit dem Mann verbracht. Er kam aus Delhi ist aber Delhi entflüchtet und wohnt jetzt in Rishikesh. Dort versucht er genügend für die Hochzeit seiner Tochter zu sparen, um daraufhin mit seiner Mutter zum Beten und Meditieren in die Berge zu ziehen. Die einfachen Leute sind doch einfach immer die Spannendsten!

Dann hab ich noch schnell ein kurzes Bad im Ganges genommen, womit jetzt wohl alle meine Sünden von mir abgewaschen sind und ich wieder ein guter Mensch bin! YES!

Gemeinsam mit Immanuel gings weiter zum „Beatle’s Ashram“, den wir dieses mal sogar auf Anhieb gefunden haben. Obwohl auf dem Tor in dicken Buchstaben „NO ENTRY!“ geschrieben stand, kam natürlich schon beim Vorbeilaufen ein Mann zum Tor gerannt, der uns erklärte, dass er uns nur gegen eine Gebühr reinlassen könne. Die 30Rs waren uns dann aber auch egal und es hat sich in der Tat gelohnt. Der Ashram ist zwar doch ganz schön verkommen und nicht mehr in Benutzung, ich konnte mir aber trotzdem ungefähr vorstellen wie das Leben dort gewesen sein muss. Der Ort strahlte einfach eine unglaubliche Ruhe und Stille aus.

Nach einem Frühstücks-Mittagessen haben wir uns dann so ab 14 Uhr bemüht in Richtung Delhi zu kommen, worauf wir um 16:30 Uhr nach einigen Fußmärschen, einem völlig überladenen Auto-Rickshaw, einer schlechten Bahnauskunft und vielem Rumfragen schließlich doch noch im Bus nach Delhi saßen (der übrigens dieses Mal nur 117Rs gekostet hat).

Heute in der Schule war ich dann doch ziemlich kaputt, weil wir halt letztendlich doch erst um 1:00 Uhr nachts bei uns in der Wohnung angekommen sind.
Eigentlich wäre auch heute frei gewesen – ist ja schließlich der letzte Arbeitstag im Monat. Heute war aber leider Gottes Mrs. Usha Varma’s letzter Tag und deswegen sind wir trotzdem gekommen. Das die in Rente geht ist wirklich unglaublich schade – ich kann mir gar nicht vorstellen wie der Laden ohne sie laufen soll. Also so viel Glück wie mit ihr können wir mit ihrer Nachfolgerin einfach gar nicht mehr haben….

Dann zum Schluss noch ein paar Bilder vom Wochenende. Wesentlich mehr Bilder sind aber in den Fotoalben zu finden.


Bild 1: Rishikesh


Bild 2: Auf Wanderung durch die Ausläufer des Himalayas


Bild 3: Affen und Pilger auf dem Weg


Bild 4: Der Blick zurück auf den Ganges


Bild 5: Auf dem Weg noch schnell den Segen eines Gurus mitgenommen


Bild 6: Blick ins Tal


Bild 7: Blick ins Tal Nummer 2


Bild 8: Schlange stehen im Tempel


Bild 9: Abends im Café Little Buddha: Ich kämpfe mit meinem Jumbo Chocolate Ball


Bild 10: Der Eingang zum "Beatle's Ashram"

Freitag, 14. August 2009

Bilder, Bilder, Bilder

Bilder sind ja schließlich wesentlich interessanter als Text. Deswegen gibts diesmal einfach nur ein paar Bilder mit kurzen Erklärungen. Für ganz, ganz viele Bilder, kann ich nur erneut auf die Fotoalben hinweisen, die Immanuel für ihn und mich hochlädt und ständig aktualisiert. Einfach unter Links oder direkt hier auf Fotoalben
klicken!



Bild 1: Mein Frühstück - seit mehr als einem Monat jeden Morgen Toast mit der gleichen süß-künstlichen Marmelade und Ketchup


Bild 2: Mittwoch vor einer Woche war Raki. Dies ist normalerweise ein Hindu-Fest, aber wenns denn Geschenke gibt, macht das natürlich nichts und wird auch von den Christen gerne gefeiert; zumindest von den Mädchen, denn sie sind es die Geschenke von ihren Brüdern bekommen!


Bild 3: Wrist-Buddys!


Bild 4: Die Feierlichkeiten zum Independence Day (15. August) an unserer Schule


Bild 5: Sabji-Markt (Gemüsemarkt) in Vasant Kunj, New Delhi


Bild 6: Und nochmal Sabji-Markt in Vasant Kunj, New Delhi


Bild 7: Eine Affenbande streift durch die Gassen von Delhi. Ich kam grad von der Nachhilfe und hab zunächst nur einen gesehen, an dem ich dann vorsichtig vorbei bin. Plötzlich waren sie überall: auf dem Boden, neben mir an den Wänden und über mir an Käbeln und Dächern. Von all den Tieren, die hier so auf den Straßen rumtollen, sind mir die Affen auf jeden Fall am liebsten!

Mittwoch, 12. August 2009

Meine Arbeit

Ich dachte schon ich wäre immun gegen alles, aber gerade hats mich leider doch erwischt. Am Wochenende gings Immanuel nicht gut und bei dem kleinen Raum auf dem wir zusammenhocken war es wohl unvermeidbar, dass es sich auf mich überträgt. Als ich mich dann vorgestern am frühen Abend mal zum joggen motivieren konnte (was bei der Hitze wohl doch gar nicht so die gute Idee war) hat das meinem Immunsystem wohl den Rest gegeben. Gestern war ich trotz Kopf- und Gliederschmerzen arbeiten, dafür gings mir dann nachmittags auch direkt doppelt dreckig. Gerade bin ich deshalb zu Hause und entspanne mich, was mir aber die Chance gibt in Ruhe einen Blogeintrag schreiben zu können.

Viele Leute fragen mich, was ich denn jetzt eigentlich genau hier machen würde. Ich habs glaub ich im ersten Blogeintrag mal angeschnitten, werds aber dann jetzt wohl noch etwas ausführlicher darlegen.

Ich arbeite bei einer NGO namens Akshay Pratishthan – das ist im großen und ganzen eine Schule, die aber gleichzeitig noch viele andere Bereiche umfasst. Ich hab mal einen Link zur Schule gepostet, aber wahrscheinlich klicken nur die allerwenigsten darauf, deswegen werde ich versuchen, meine Arbeiststelle noch mal in meinen eigenen Worten ein bisschen vorzustellen.


Zur Schule gehen hier arme Kinder, die sich die öffentlichen Schulen nicht leisten können (was zumeist bedeutet, dass sie schon richtig arm sind) und Kinder mit Behinderungen. Bei den Behinderungen muss man wiederum unterscheiden: Im Special Wing sind die eher geistig Behinderten Kinder wie slow learners, Kinderlähmung, Down-Syndrom, oder ähnliches; dann gibt es noch jede Menge körperlich behinderter Kinder, bei denen es sich vor allem um Fälle der Sehnenverkürzung handelt. Auf solche Behinderungen trifft man in Deutschland nur ganz selten, weil sie direkt nach der Geburt behandelt werden können. Hier würde der Preis für eine Behandlung etwa bei 8000 Rs., was ca. 150€ entspricht – die Familien können diese Summe aber einfach nicht aufbringen. Der Staat greift in solchen Fällen nicht ein, denn ein soziales Netz gibt es in Indien einfach gar nicht…
Die akademische Bildung wird hier ergänzt durch vocational training. Die Kinder können sich die Tätigkeit in Bereichen wie Bäckerei, Tischlerei, Kunsthandwerk, Schönheitspflege, Computer oder Ähnliches aussuchen, um so die Möglichkeit zu geben nach dem Schulabschluss einen Beruf in diesen Feldern zu ergreifen. Außerdem gibt es sportliche und kulturelle Aktivitäten, bei denen die behinderten Kinder integriert werden. Die NGO geht demnach viel weiter als nur Schulunterricht und es ist schwer die umfassenden Angebote in so einem kurzen Blogeintrag zu erläutern.
Nennenswert ist auf jeden Fall noch die eigene Medical Unit. Diese umfasst vier Bereiche: Physiotherapie, Healing Touch, Occupational Therapy und die Prosthetic & Orthotic Unit. Unter Physiotherapie kann sich denk ich jeder etwas vorstellen. Bei Healing Touch handelt es sich quasi um Krankenschwestern, wobei gelegentlich auch freiwillige Ärzte zu check-ups oder Behandlungen kommen. Occupational Therapy ist eine Mischung aus Physiotherapie und Konzentrationsübungen. Hier sollen die Leute mit Behinderungen lernen selbstständiger und mobiler zu werden. In der Prosthetic & Orthotic Unit werden Prothesen und Schienen (teilweise von den Schülern selbst) hergestellt und dann kostenlos zur Verfügung gestellt.
Bemerkenswert ist, dass dieses Angebot nicht nur den Schülern, sondern auch Patienten von außerhalb zur Verfügung steht, die sich eine öffentliche medizinische Behandlung nicht leisten können.

Ich persönlich arbeite im Moment vor allem am Computer und im Special Wing. Da es sich ja um eine NGO handelt, muss sie sich ja schließlich über Spenden finanzieren. Mit der Herstellung von zahlreichen annual reports der letzten vier Jahre, helfe ich im Bereich des fundraisings, indem neue Spender gewonnen bzw. die alten bei der Stange gehalten werden. Außerdem helfe ich beim Archivieren von Fotos und ähnlichem. Da meine Koordinatorin Mrs. Usha Varma am Ende dieses Monats leider die Schule verlassen wird, muss die Arbeit bis dahin fertig sein, weil ansonsten keiner mehr weiß, was wozu gehört.
Im Special Wing arbeite ich mit der jüngsten Gruppe von Kindern, die 5-10 Jahre alt sind. Hier male ich mit den Kindern, versuche ihnen das englische Alphabet, zählen und rechnen beizubringen oder bin einfach damit beschäftigt, sie ruhig zu halten. Problematisch ist, dass der Wissensstand bei jedem Kind unterschiedlich ist und dass sie eben nur dann Lernerfolge hat, wenn man einzeln mit ihnen zusammenarbeitet. Deswegen sind viele Kinder meistens zwangsläufig ohne Beschäftigung. Die Arbeit in diesem Bereich macht mir jedenfalls jede Menge Spaß!
Ab nächsten Monat soll ich wohl auch Englisch unterrichten, ob das was gesagt wird wirklich eintrifft, kann man in Indien aber nie so ganz sagen. Im Normalfall aber eigentlich nicht…

Überarbeiten tue ich mich jedenfalls nicht. Die Schule beginnt hier um 8:30 Uhr und endet um 14:00 Uhr. Dazwischen liegen für mich eine halbe Stunde Teepause und noch mal eine halbe Stunde Mittagspause. Und wenn man zwischendrin mal noch ne zusätzliche Pause macht, um sich mit irgendwem zu unterhalten, stört das hier auch niemanden. Manchmal haben Immanuel und ich ein schlechtes Gewissen und arbeiten dann freiwillig ein bisschen länger – am Computer kann man ja schließlich auch noch arbeiten, wenn die Kinder weg sind…

Gestern hatte ich meine erste Stunde offiziellen Hindiunterricht. Ich hatte auf einen strukturierten Unterricht gehofft, um die Sprache von Grund auf zu lernen, hatte aber gleichzeitig befürchtet, dass das wohl zu viel erwartet war. In meiner ersten Stunde sind wir jetzt die Namen von 25 Gemüsen und Früchten durchgegangen. Also das krieg ich auch alleine hin, dazu brauch ich keinen Lehrer. Vielleicht ist es noch zu früh, um eine Aussage über die Qualität des Unterrichts zu machen, aber wenn er so bleibt, werde ich wohl irgendwas ändern müssen.



Bild 1: Das Schulgebäude von außen



Bild 2: Die Jagriti Group im Special Wing



Bild 3: Affen auf dem Dach der Schulcafeteria. Den ganzen Tag lungern die da rum, aber sobald ich meine Kamera raushole rennen sie kreischend weg...


Mittwoch, 5. August 2009

Erster Monat vorbei

Ein Monat ist rum und die Zeit rennt geradezu. ''Time is running like water", sagte heute jemand passender Weise...

Hinter mir liegt ein langes Wochenende – seit Montag ist zwar schon wieder Schule, aber davor bin ich nicht zum schreiben gekommen.

Freitag war nämlich frei, weil es der letzte Arbeitstag im Monat war. Irgendwie gilt dieser (scheinbar erfundene) Feiertag, aber nicht für normal Angestellte, sondern nur für Immanuel und mich. Demnach mussten alle anderen Freitag und Samstag arbeiten, während wir nicht nur wie gewohnt Samstag, sondern auch Freitag frei hatten. Hätten wir das mal eher erfahren, hätten wir vielleicht mal einen ersten größeren Trip nach Rajasthan oder so unternehmen können, aber dem war ja dann nun mal leider nicht so…

So beschränkte sich die Wochenendplanung dann doch eher auf eine tägliche Sightseeingtour.

Am Donnerstag sind Immanuel und ich schon mal zum Connaught Place und haben dort den unterirdischen Palika Bazaar ein bisschen erkundet. Hier versuchen die aufdringlichen Verkäufer durch ständiges ans Ohr labern ihre facettenreichen Waren unter den Mann zu bringen, die unter anderem von Büchern und Kleidung über Computerspiele und USB-Sticks bis hin zu „Porn Movies“ reichen können.

Später waren wir dann noch bei der Sternwarte Jantar Mantar, die in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts gebaut wurde. Hier konnten die Menschen früher anhand des Schattenwurfs von gigantischen Sonnenuhren früher die Zeit, Sonnen- und Mondkalender, sowie astrologische Bewegungen bestimmen. Heute gibt die Jantar Mantar ein bisschen den Eindruck eines Spielplatzes für Erwachsene. Was für viele Menschen sicherlich vor allem vom wissenschaftlichen Standpunkt aus interessant ist, war für mich auch einfach schön anzusehen. Bemerkenswert ist wie es so gut wie keine Geländer, Absperrungen oder ähnliches gibt, selbst da nicht, wo man sich in Höhen befindet, die beim Fall sicherlich den Tod bedeuten würden.
Die Inder haben allgemein einfach ein völlig anderes Verständnis von Sicherheit als wir es gewöhnt sind. Beim Motorradfahren trägt so zum Beispiel nur der Fahrer einen Helm, während der Beifahrer ungeschützt mitfährt. Der Fahrer trägt den Helm also nicht aus Überzeugung und aus Sicherheitsbedürfnissen, sondern einfach nur, weil es das Gesetz vorschreibt. Ganz ähnlich ist es auch beim Autofahren: Gurte tragen generell nur diejenigen, die vorne sitzen. Die hinten brauchen keine Gurte tragen, weil sie sich ja schließlich nicht strafbar machen, wenn sie keine tragen. Bei Bauarbeiten an Rohren oder ähnlichem befinden sich hier teilweise tiefe Löcher in den Bordsteinen, die selbst im Dunkeln weder beleuchtet, noch anderweitig abgezäunt sind. Trotzdem geht’s aber irgendwie immer gut; ich hab jedenfalls noch keinen reinfallen gesehen…

Am Freitag hatten wir eigentlich vor mal ein bisschen Delhi Nightlife zu erfahren. Ich hab mich dann an einen indischen Bekannten gewandt; durch meinen miesen Handyprovider kam aber nur die Hälfte meiner Mitteilungen an, was zu einer Reihe von Missverständnissen führte.

Gegen 18:30 Uhr trafen wir dann schließlich nach einer riesigen Hetze und jeder Menge Stress am Khan Market auf Adil und seinen Freund Manish, die dort schon seit zwei Stunden auf uns warteten. Nachdem wir eine Kleinigkeit gegessen hatten (was vor allen Dingen dem Zweck diente, die großen Scheine klein zu bekommen) sind wir dann zum Lotus-Tempel gefahren, der natürlich etwa 15min vor unserer Ankunft geschlossen hatte. Nach dem gescheiterten Lotus-Tempel-Besuch sind wir dann wieder weiter gefahren, um woanders noch was zu essen, was auch eigentlich noch ganz lustig war. Ergebnis des Tages war jedenfalls eine ganze Menge Rumfahrerei; von Delhis Nachtleben dagegen hab ich aber immer noch nicht allzu viel erfahren. Ob ich überhaupt noch richtig in diesen Genuss kommen werde, ist momentan aber auch noch ein bisschen fraglich. Alkohol ist nämlich erst ab 25 und in Bars, Clubs oder ähnliches darf man meines Wissensstandes nach erst ab 21 Jahren. Ich werde sehen, was die Zukunft diesbezüglich bringen wird…

Am Samstag hab ich mit Monishaah getroffen, die ich im Special Wing bei der Arbeit mit den behinderten Kindern unterstütze. Sie ist mit ihren 21 Jahren noch ziemlich jung und vielleicht macht die Arbeit in diesem Bereich auch unter anderem deswegen so viel Spaß. Monishaah und ihr älterer Bruder haben mich dann gemeinsam durch den Chattar Pur Mandir, einen ziemlich großen Hindu-Tempel hier in Vasant Kunj (= der Stadtteil in dem ich lebe), geführt. Nachdem ich anschließend auch noch kurz weitere Familienmitglieder kennen gelernt habe, wurde ich natürlich auch direkt für nächste Woche zum Essen eingeladen.

Am Sonntag waren Immanuel und ich ein paar Stunden im National Museum. Danach hab ich dann zum ersten Mal richtiges Essen von den Straßenständen probiert, was mein Magen glücklicherweise problemlos verkraftet hat. Abends gings dann kulinarisch weiter, als ich gemeinsam mit Bini Parantas, eine Art Fladenbrot mit geringer Ölfüllung in Dreiecksform, gemacht hab. Bisher sind meine indischen Kochkünste noch relativ gering, aber das wird sich hoffentlich noch ändern.

Heute bin ich mal ganz auf eigene Faust Richtung Innenstadt New Delhi losgezogen. Eigentlich hatte ich jede Menge Sachen vor, aber letztendlich konnte ich nur die National Gallery of Modern Art abhaken. Ich war über drei Stunden drin, aber die Menge von Bildern war einfach so gewaltig, dass ich am Ende eigentlich schon gar nichts mehr aufnehmen konnte. Ein bisschen ueberrascht hat mich WIE modern die Knustwerke aus neuerer Zeit waren, die auch Tabuthemen ohne Scheu und Verharmlosung offen darstellen. Ich kann mir gut vorstellen wie so manch traditioneller Inder da nur noch den Kopf schütteln kann.

Bild 1: Eine kleine Impression zu dem bisschen Monsun, was ich in Delhi bisher erlebt habe. Der Monsun, der ja eigentlich seit ungefähr zwei Monaten da sein soll, was bisher nur an 5-6 Tagen zu spüren. Einige Leute sprechen von einem Dürrejahr; jedenfalls ist es meistens abartig heiß!


Bild 2: Die Jantar Mantar (was soviel heißt wie „observation instrument“)


Bild 3: Von Geländern und Absperrungen keine Spur

Bild 4: Ebenso


Bild 5: Der Chattar Pur Mandir


Bild 6: Monisha und ich vor einer Statue des Gottes Hanuman