Dienstag, 28. Juli 2009

Ich lass dann doch mal wieder was von mir hören.

Letzte Woche Donnerstag waren Immanuel und ich auf Empfehlung eines Inders hin bei einem Tanzfestival in einem hinduistischen Tempel. Unter der Bezeichnung „Festival“ hatte ich mir irgendwie was Größeres vorgestellt, denn letztendlich saßen da nur so um die 40-50 Leute. Die Tanzvorführung erinnerte schwer an Ausdruckstanz und die musikalischen Klänge waren so meditativ, dass ich mit meinen Gedanken ständig abgeschweift und beinahe eingeschlafen bin und mich gar nicht wirklich auf die Tänzerin konzentrieren konnte. Das war aber auch gar nicht so schlimm, denn es war zwar irgendwie interessant, aber insgesamt doch eher langweilig. Nach dem 1 ½ Stündigen Auftritt von Kalamandalam Leelama – der Künstlerin mit dem wahrscheinlich längsten Namen der Welt, der ein Maximum an E’s und A’s enthält – haben wir die Aufführung dann frühzeitig verlassen.

Einige Tage später, am Samstag, hat das AFS National Office India einen Bus gechartert und einen Tagesausflug zum Taj Mahal nach Agra organisiert. Der Tag sah dann ungefähr so aus: morgens um 4:00 Uhr aufstehen, 5 Stunden Hinfahrt, 1,5 Stunden Taj Mahal, 6 Stunden Rückfahrt und anschließend mit Sonnenbrand und Sonnenstich todmüde ins Bett fallen. Der Taj Mahal ist zwar an sich echt beeindruckend und wirklich schön, aber ob sich der ganze Aufwand nur für den Taj Mahal gelohnt hat, weiß ich nicht. Ich hätte jedenfalls gerne noch mehr von Agra gesehen, aber dafür war dann leider keine Zeit mehr. Wer den Taj Mahal jedenfalls einmal gesehen hat, braucht denk ich wohl kein zweites Mal hin. Aber ist ja super von AFS India solche Touren für uns zu organisieren – ich frag mich, wo die das ganze Geld hernehmen.

Am Dienstagabend waren Immanuel und ich im Kino in „Harry Potter“. Der Tag hat mir noch mal vor Augen geführt wie konträr Indien und gerade Delhi doch tatsächlich ist. Das Kino befand sich in einer wirklich unglaublich riesigen Einkaufszentrum, das von außen und vor allem von innen aussah wie ein 5-Sterne Hotel in Las Vegas. Wenn man so ein Gebäude betritt, befindet man sich auf einmal in einer völlig anderen Welt und ich fühl mich an solchen Orten immer eher wie in New York oder so - aber jedenfalls nicht wie in Indien. Wenn man dann wieder nach draußen kommt, ist alles wieder komplett anders. 200m weiter läuft eine Herde Kühe über die Straße und weitere 200m entfernt schlafen die Leute auf dem Bürgersteig, weil sie kein Dach überm Kopf haben. Solche Bilder sind hier ganz alltäglich. Einige Inder haben zwar erklärt, dass im Grunde niemand zu betteln braucht, da es genug Arbeit gäbe, aber ich weiß nicht, was ich davon wirklich halten soll. Mittlerweile habe ich in Erfahrung gebracht, dass selbst die Leute, die in den Slums wohnen nicht mal unbedingt arbeitslos sind. Die meisten machen Gelegenheitsjobs wie Straßenbauarbeiten oder ähnliches und bekommen ihren Lohn (wenn denn alles gut geht) täglich ausgezahlt – der Lohn liegt dann aber häufig unter einem Euro, sodass außer für die lebensnotwendigen Mahlzeiten kaum Geld übrig bleibt.

Bauarbeiten gibt es hier jedenfalls genügend – genau genommen ist Delhi nämlich zurzeit eine einzige, riesige Baustelle. Nächstes Jahr finden hier die Commonwealth Games statt und dafür soll alles fertig sein. Unglaublich wie schnell Veränderungen hier von Statten gehen; bis nächstes Jahr sollen 9 neue Metrolinien, ein neuer Terminal am Flughafen, sowie Fußgängerbrücken, Stadien, Einkaufszentren und andere Gebäude gebaut, Straßen repariert und alte Busse ausrangiert und durch modernere ersetzt werden. Allein am Bau der Metro sind im Moment wohl um die 20.000 Arbeiter beteiligt. Demnach werde ich wohl schon in einigen Monaten ein ganz anderes Delhi vorfinden als im Moment.

Hhhm, worüber kann ich noch berichten….

Ach ja... ein Mann, der in der Prosthetic und Orthotic Unit (die Stellen Schienen, Prothesen und so nen Krams her) in Akshay Pratishthan arbeitet, wollte Immanuel und mir unbedingt sein College zeigen, das wohl das größte College für orthotic therapy in ganz Indien sein sollte. Ich hatte es so verstanden, dass er da wohl Lehrer sei und uns das College zeigen wollte und dachte, dass das ja durchaus interessant werden könnte.
Stattdessen war die Situation aber von vornherein relativ unangenehm. Mit seinem gebrochenen Englisch konnten wir uns nur schwer verständigen. Er hat uns dann das India Gate gezeigt und anschließend sind wir zu Fuß zum College (lange Fußmärsche gibt’s hier genug). Dort wurde langsam klar, dass er vermutlich nur Zeit mit uns verbringen wollte, um uns allen Leuten am College als seine Freunde aus Deutschland vorzustellen und mit uns anzugeben oder so. Es war wie im Zoo. Tausend Leuten die Hand schütteln und immer wieder die gleichen langweiligen Fragen. Als er uns dann in sein Zimmer führte, wurde mir klar, dass das nicht wie zuerst angenommen sein Büro war, sondern tatsächlich seine Wohnung. Er ist nämlich weder Student noch Lehrer an dem College, sondern lediglich ein Ex-Student, der immer noch im Hostel des Colleges wohnt und sich dort ein Zimmer mit einem anderen Studenten teilt. Das Zimmer war klein und relativ verdreckt und ich würde nicht auf die Idee kommen, dahin Gäste einzuladen – ihn erfüllte dieses Zimmer aber doch irgendwie mit einem gewissen Stolz.
Seine für mich völlig unnachvollziehbare Bitte, doch bitte auch mal bei ihm im Hostel zu schlafen, kamen wir nicht nach und werden es wohl auch in Zukunft nicht tun. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass dieser Bitte keinerlei homosexuelle Neigungen zu Grunde liegen wie man evtl. vermuten könnte. Die Inder sind ja allgemein extrem gastfreundlich und für ihn würde es anscheinend etwas ganz besonderes sein, uns auch mal über Nacht beherbergen zu dürfen. Ganz durchschauen werde ich diesen Menschen aber wohl nie…

Die Arbeit in der Schule ist mal so mal so – ich bin aber ziemlich zuversichtlich für die Zukunft.
Richtig viel Spaß macht die Arbeit mit den behinderten Kindern im Special Wing. Allgemein ist die Arbeit immer dann gut, wenn ich das Gefühl hab wirklich helfen zu können. Wenn ich nur dumm rum sitze oder total uneffektive Arbeit mache, ist es einfach nur langweilig, wenn nicht sogar deprimierend. Teilweise erzählen mir die Lehrer wie dankbar sie sind, dass ich da bin, obwohl ich eigentlich gar keine richtige Hilfe bin. Beim Sportunterricht zum Beispiel, stehe ich ständig neben dem Lehrer und mache zum großen Teil ganz normal mit wie die Schüler. Der Lehrer findets aber total klasse, dass ich da bin (vielleicht einfach nur damit er jemand zum quatschen hat?!).
Eine andere Lehrerin hat von Beginn an gebettelt, dass ich doch unbedingt in ihre Klasse kommen und beim Englischunterricht helfen sollte. Als ich dann tatsächlich mal in ihre Klasse gekommen bin, hat sie mir ein Buch in die Hand gedrückt und meinte ich sollte den Schülern fragen stellen. Sie selbst hat sich dann hingesetzt und andere Sachen erledigt und hat den Klassenraum sogar zeitweilig verlassen. Helfen bedeutet für mich doch nicht die Arbeit des Lehrers zu übernehmen, damit er oder sie sich zurücklehnen kann!?
Gemeinsam mit der Koordinatorin, Mrs Usha Varma, die sich zur Zeit um uns Volunteers kümmert, bin ich Verbesserungsmöglichkeiten durchgegangen, um die Arbeit doch etwas effektiver zu gestalten. Außerdem kann ich mir meine Arbeitsfelder ja zum Glück doch zu mindest teilweise selbst aussuchen und so werde ich dem Englischunterricht dieser Lehrerin wohl in nächster Zukunft erstmal nicht beiwohnen.
Teilweise ist das Fachwissen der Lehrer aber auch einfach erschreckend. So sollte ich heute zum Beispiel eine Klassenarbeit für die oben erwähnte Englischlehrerin ausdrucken und hab dabei gleich mal jede zweite Aufgabenstellung wegen Rechtschreib- und Grammatikfehlern korrigiert. Auf der einen Seite hab ich nen schlechtes Gewissen, gerade mal drei Wochen hier zu sein, nicht mal studiert zu haben und ner Lehrerin, die wahrscheinlich seit 30 Jahren unterrichtet, erklären zu müssen, wie sie ihren Job zu machen hat. Auf der anderen Seite kann ich meinen Mund einfach nicht halten, wenn man durch ganz einfache Verbesserungen dafür sorgen kann, dass die Kinder besser lernen.
Mrs Usha Varma ist aber ganz froh über meine konstruktive Kritik.

Ab nächstem Monat werden Immanuel und ich wohl Internet in unserer Wohnung haben. Eigentlich hab ich mir aber vorgenommen nicht zu viel vorm Rechner rumzuhängen.

Ach ja, Immanuel hat übrigens zwei Fotoalben eingerichtet, in denen er jede Menge Bilder von seiner und meiner Kamera hochgeladen hat. Wer interessiert ist, kann ja mal reinschauen…
Immanuels Bilder
Meine Bilder

Hier aber auch noch ein paar ausgewählte Bilder von mir.


Bild 1: Kalamandalam Leelama in Aktion!


Bild 2: Der Taj Mahal


Bild 3: Das oben erwähnte Einkaufszentrum: „DLF Place“


Bild 4: Der Mann aus der Prosthetic & Orthotic Unit, sein Zimmer und ich


Bild 5: Müll und Kot in Delhi


Bild 6: Müll, Kot und Kühe in Delhi


Bild 6: Der vollste Bus, den ich je erlebt habe. Ich hoffe man erkennt ein bisschen was...


Bild 7: Eine Metro-Station in Delhi. Während draußen alles verdreckt ist und jeder seinen Müll einfach auf dem Bürgersteig entleert, wird die hochmoderne Metro komischerweise von allen Bürgern sauber gehalten.

Dienstag, 14. Juli 2009

Joaa

Eigentlich wollte ich das alles schon gestern schreiben, aber irgendwie war das Internet tot und nach einer halben Stunde warten im Internetcafé hatte ich genug… Solche Probleme sind in Indien aber alltäglich…

Naja, am Freitag mussten wir nicht in die Schule, weil wir von AFS in Zusammenarbeit mit einer anderen NGO im Rahmen einer Umweltschutzaktion in einem kleinen Park in Neu Delhi Bäume pflanzen waren. Bei den hohen Temperaturen und vor allem der hohen Luftfeuchtigkeit war das trotz kurzer Schauer natürlich extrem schweißtreibend.

Danach sind wir gemeinsam mit den anderen AFSlern (also einheimische volunteers und Schüler bzw. Freiwillige aus aller Welt) ein bisschen auf Sightseeingtour durch Neu Delhi gegangen. Zuerst sind wir zum Humayun-Mausoleum, in dem ich als foreigner mit 250Rs mal gut und gerne den 25fachen Eintrittspreis der Einheimischen zahlen durfte. Das Humayun-Mausoleum ist quasi der Vorgänger des Taj Mahal – nur in kleiner und aus rotem Sandstein statt aus weißem Marmor.

Nach einem leckeren chinesischen Mittagessen, zu dem geschmecktes 300 Jahre altes, modriges Wasser serviert wurde, sind wir zum Connaught Place gefahren. Der Connaught Place ist Stadtzentrum, Verkehrsknotenpunkt und Einkaufszone und macht der Bezeichnung Neu Delhis als „Gartenstadt mit breiten Prachtstraßen“ nach anfänglichen Verwirrungen schließlich doch noch alle Ehre.

Anschließend sind wir zum Bangla Sahib Gurudwara – einem riesigen Sikh Tempel, bei dem aber Besucher jeglicher Konfessionen wilkommen sind. In einem Teil der riesigen Tempelanlage wird täglich für 10.000 Gäste umsonst Essen ausgeschenkt. Dieses wird von Freiwilligen zubereitet und auch wir haben ein bisschen mitgeholfen.

Am Samstag sind Immanuel und ich ein bisschen auf eigene Faust losgezogen. Zuerst waren wir in unserm Distrikt ein bisschen einkaufen, sind dann aber mit dem Bus zum Connaught Place. Dort haben wir uns mit Abhinav, einem Freund und AFS-Freiwilligen, getroffen. Unter anderem haben wir uns ein Set „traditionelle“ indische Kleidung gekauft, nämlich jeweils eine Curta und einen Pyjama (= in Indien kein Schlafanzug). Wenn ich die Kleidung mal zu einem passenden Anlass tragen werde, mach ich ein Foto und lade es hoch.

Mein Sonntag hatte mal ziemlich heimatliche Züge: über Nacht und Tag verteilt muss ich wohl mindestens 13h geschlafen haben. Irgendwie gings mir aber auch einfach nicht gut, da mir das Klima (zumindest an dem Tag) doch noch etwas mehr schaffen gemacht hat als sonst. Die Woche war allgemein aber auch einfach richtig anstrengend…

Nachdem ich den ganzen Sonntag geschlafen und gegammelt hab, konnte ich natürlich Sonntagnacht nicht schlafen und war am Montag mal wieder extrem unausgeruht.

Montag war in der Schule der erste Tag, an dem die Schüler da waren und die ganze Schule war direkt mit viel mehr Leben gefüllt. Dennoch waren Immanuel und ich wieder den größten Teil des Tages mit Power Point beschäftigt.

Naja, gestern war ich dann im Special Wing, um mit den Kindern zu spielen – das war zumindest der Plan. Von Spielen war allerdings nicht wirklich die Rede, eigentlich stand ich die meiste Zeit eher dumm rum und konnte keine wirklich nützliche Hilfe sein. Das lag aber auch daran, dass ich nur bis 9:15 Uhr da war. Hätte ich mehr Zeit gehabt, wäre ich mit einer Gruppe von Kindern schwimmen gegangen, was sicherlich noch wesentlich interessanter gewesen wär. Am Dienstag wurden aber alle AFS students und volunteers aus Delhi zur registration abgeholt. Im registration office angekommen stellte sich aber heraus, dass ich mich mit meinem Tourist Visa gar nicht registrieren muss. Also war ich komplett umsonst da und hab mir die Stunden unter anderem mit einem kleinen Nickerchen vertrieben.

Heute hat der Monsun endlich mal ein bisschen eingesetzt und es hat ein paar Stunden ziemlich stark geregnet. Das war nach gestrigen 44 Grad C. aber auch mal bitter nötig. Leider mussten wir beim Regen auch feststellen, dass das Dach im Bad nicht so wirklich dicht ist. Aber egal, ist ja zum Glück nur das Bad…

Heute war ich morgends wieder erst im Special Wing, wo meine Tätigkeiten sich aber wieder so ziemlich auf die eines stillen Beobachters beschränkten. Hemmnis ist im Moment vor allem die Sprache, weil ich bis auf ein paar Sätze und Zahlen einfach noch kein Hindi spreche und deswegen auch nichts von dem verstehe, was Kinder und Lehrer sagen, beten und singen.

Nachdem es gestern nicht geklappt hat, hab ich eine Gruppe von Schülern heute dann doch noch zum Schwimmen begleitet und war gar nicht so lange im Special Wing. Mit einer Mischung aus meinem gekrüppeltem Hindi, dem minimalem Englisch der Schüler und beidseitigem wilden Gestikulieren konnte ich mit dieser Gruppe zumindest halbwegs kommunizieren.

So, allgemein geht’s mir gut – viel mehr hab ich grade nicht zu sagen.

Dann noch mal wieder ein paar Bilder zur Illustration.


Bild 1: Ich beim Bäume pflanzen am Freitag.


Bild 2: Das Humayun-Mausoleum. Die gesamte Anlage ist aber noch wesentilch größer.


Bild 3: Eine Gärtnerin (oder so ähnlich) im Humayun-Mausoleum. Freundlich wank sie uns zu sich herüber, als sie sah, dass wir Kameras in der Hand hatten. Nach den Fotos mit ihr wollte sie dann plötzlich Geld, was wir aber gekonnt ignoriert haben. Hätten wir ihre Absicht von vornherein verstanden, hätten wir es natürlich gelassen, aber die anderen waren anscheinend genauso gutgläubig wie ich...


Bild 4: Der Bangla Sahib Gurudwara von außen. Auch hier ist die gesamte Anlage noch viel, viel größer.


Bild 5: Ein Teil der zur Tempelanlage gehörenden Küche. Wir machen Chapati, ein Brot, das hier eigentlich zu jeder Mahlzeit gehört.


Bild 6: Immanuel und unsere “Gastfamilie” am Essenstisch. Von links nach rechts: Immanuel, Clini Babu, Bini Babu und Mr Babu. Die jüngere Tochter Binju Babu fehlt leider gerade.

Donnerstag, 9. Juli 2009

Ein erstes Lebenszeichen von mir

Soo, mein erster Blogeintrag kommt doch ein bisschen später als erwartet.

Am Freitag bin ich gemeinsam mit Markus (einem anderen Freiwilligen) in Delhi gelandet. Wir wurden dann vom Flughafen abgeholt und sind mit dem Taxi in ein ziemlich luxuriöses Hotel, namens Ashok Country Resort, etwas abseits von Delhi gefahren. Die Taxifahrt war wie zu erwarten typisch indisch chaotisch, holperig, waghalsig und hupenreich, aber doch eher spaßig als schockierend.
Von Freitag bis Sonntag hatten wir dann mit allen AFSlern (also student exchange und volunteer service) im Resort Orientation, wobei es den ersten Tag eigentlich gar kein Programm gab, damit wir erstmal ganz langsam reinkommen konnten. Dafür war das Hotel auch super geeignet – vor allem damit sich unser Magen langsam an das Essen gewöhnen konnte. Bis heute hab ich übrigens keinerlei Probleme mit indischem Essen und Trinken gehabt… Die Orientation war allgemein ziemlich lustig und die indischen Teamer hatten ziemlich viel Spaß daran, all die falschen Fakten zu revidieren, die wir auf den Vorbereitungsseminaren in Deutschland gelernt haben. Am Samstag durften wir sogar zu einer religiösen Ritual eingeladen, bei dem Krishna verehrt wurde. Das war echt spannend, auch wenn wir alle keinen Plan hatten, worum es eigentlich geht und mir viele Vorgänge noch heute ein Rätsel sind und wohl auch immer bleiben werden. Trotzdem wurden wir ganz liebenswürdig in die eigentlich familieninterne Zeremonie aufgenommen. Unglaublich wie freundlich, hilfsbereit und Gastfreundlich die Inder allgemein sind.
Am Sonntagabend wurden Immanuel und ich dann zu unserem Appartment gebracht. Weil wir im Gegensatz zu den student exchange Leuten ja schon etwas älter sind (vor allem Immanuel mit seinen 25 Jahren), wollte uns AFS India etwas mehr Freiheit bieten. Deswegen wohnen wir nicht in einer Gastfamilie, sondern in einer Art Appartment. Wir essen zwar bei der Familie des Landlords nebenan, die übrigens supernett ist, haben aber einen seperaten Eingang. Die drei Zimmer Wohnung ist zwar klein und spartanisch, aber völlig ausreichend. Bisher gibt es leider nur ein Bett, das brüderlich geteilt wird (Bett = eine Holzplatte mit ein paar dünnen Decken drauf), wir werden aber wohl bald eine Luftmatratze kaufen.
Seit Montag gehen wir jeden morgen zur Akshay Pratishtan Schule, in der wir die nächsten 11 Monate arbeiten werden. Die Schule scheint echt super und vor allem mega vielfältig zu sein (http://akshaypratishthan.org/index.htm). Wir konnten unsere Präferenzen und Interessen angeben und werden demnach eingesetzt werden. Wöchentlich sollen wir dann ein Feedback über unsere Einsatzbereiche geben, um zu sagen, welche Arbeit uns gefallen hat und welche nicht. So wird seitens der Schule dafür gesorgt, dass nicht nur die Schule, sondern auch wir zufrieden sind. Die Schüler werden zwar erst ab nächsten Mittwoch kommen, seit Montag haben aber dennoch alle Angestellten zu kommen (aus Formalität sogar die, die eigentlich nichts zu tun haben). Teilweise hab ich das Gefühl, dass verzweifelt nach Arbeit gesucht wird: gestern haben wir zum Beispiel einem Vortrag über „how to teach English“ beigewohnt, zu der extra eine Referentin eingeladen wurde; gestern haben wir jede Menge Gesellschaftsspiele auf ihre Vollständigkeit überprüft und heute haben wir eine Power Point Slideshow über das Schuljahr 2007 / 2008 gemacht (was natürlich relativ schwer ist, wenn man dort nicht da war…). Auch wenn viele Angestellten eigentlich völlig umsonst kommen, hinterfragt das keiner und jeder nimmt es so hin und schmunzelt höchstens darüber – das muss wohl ein Teil der indischen Mentalität sein. Alle Leute schwärmen von der letzten AFS Freiwilligen Franziska, die anscheinend eine riesige Hilfe war. Mal gucken, ob auch wir einen solchen Eindruck hinterlassen werden können. Es ist aber super zu hören, dass wir keine Belastung oder überflüssige Arbeitskraft sind, sondern doch wirklich gebraucht werden und, dass die Leute dankbar für unsere Hilfe sind.

Beigefügt noch ein Paar wenige Bilder (falls das hochladen klappt...):


Bild 1: Ein Ausschnitt des Ashok Country Resorts


Bild 2: Orientation (ein besseres Gruppenfoto hab ich leider spontan nicht)


Bild 3: Sonnenuntergang in unserer Straße