Dienstag, 6. April 2010

Auf in den Osten: Darjeeling, Sikkim, Varanasi

Letztens waren Examen, das heißt dass die Schüler lediglich zum Schreiben ihrer Tests in die Schule kamen und direkt danach wieder nach Hause sind. Viel Arbeit gab es dementsprechend nicht, stattdessen haben wir Freiwillige uns selbst Arbeit geschaffen, indem wir ein paar der dreckigsten Klassenräume professionel streichen lassen und dann mit bunten Bildern selbst verschönert haben. Das Ganze war die Idee von Aiden, einer irischen Freiwilligen, die die letzten zwei Monate hier war. Sie hatte bei Freunden und Bekannten daheim eine ganze Menge Geld gesammelt, das sie in die Schule investieren wollte. Auf Grund der korrupten Chairperson kam es allerdings absolut nicht in Frage, das Geld in Bar zu übergeben, daher der Schulanstrich!

Es folgten eine Menge Feiertage und ein Zeitraum, in dem Schüler nicht kommen mussten, sodass ich eine zweiwöchige Pause zugestanden bekam und ich vom 22. März bis 4. April nochmal eine etwas größere Reise antreten konnte. Begleitung war leider nicht auffindbar: Immanuel bekam Besuch von seiner Mutter, und auch alle anderen bekamen entweder ebenfalls Besuch oder aber mussten Arbeiten. Also hab ich mich alleine losgemacht und habe mir als ersten Stopp die für ihren Tee bekannte Hills Station Darjeeling im Osten Indiens ausgesucht. Wo es von da aus weitergehen sollte, wusste ich noch nicht so Recht, aber die bevorstehenden 29h Zugfahrt sollten ja genug Zeit zum planen geben; besonders, wenn man die 8h Verspätung hinzuzieht...

In Darjeeling habe ich in meinem Hotel dann direkt am ersten Abend einen Dänen namens Nicolai kennen gelernt, der plante mit einem Israeli, den er soeben im Schlafsaal kennen gelernt hatte, nach Sikkim trekken zu gehen. Spontan beschloss ich, mich den beiden anzuschließen.
Den nächsten Tag schaute ich mich gemeinsam mit Nicolai erstmal in Darjeeling um und wir besorgten, das nötige Permit, das man braucht, um den Staat Sikkim zu bereisen. Dann besichtigten wir eine Teeplantage, das "Happy Valley Tea Estate". So schön und romantisch, die bergigen Teeplantagen auch aussehen, bei einer Tour durch die Fabrik schwang unterschwellig mit, dass die Teepflücker unterm Strich weniger als 50ct am Tag für ihre schweißtreibende Arbeit verdienen. Besitzer des Tea Estates ist ein Deutscher, verkauft wird der Tee exklusiv in einer Edelbotique in London namens "Harrod's"....

Ein bisschen enttäuscht, dass wir die Berge aufgrund des ewigen Nebels noch nicht so recht bestaunen konnten, machten wir uns am nächsten Tag zu dritt auf nach Sikkim. Sikkim ist ein kleiner Bundesstaat im indischen Himalaya und liegt zwischen Nepal, Tibet und Bhutan. Menschen, Verhaltensweisen, Klima, Landschaft, ... - alles ist ganz anders als im restlichen Indien; Sikkim ist quasi eine Auszeit von Indien. Es ist angenehm kühl, die Menschen sind freundlich, zufrieden und noch nicht so vom Tourismus verdorben wie in vielen anderen Gegenden. Es gibt keine Betrüger, keine aufdringlichen Abzocker, die versuchen, einen in ihr Hotel zu lotsen oder Drogen zu verkaufen.

Unsere Hoffnungen auf klare Sicht werden leider nicht erfüllt, doch wir haben trotzdem eine superschöne Zeit hier gehabt. Vier Tage lang sind wir in den Bergen durch Wälder und Natur, an Wasserfällen und Flüssen vorbei, von Dorf zu Dorf gewandert. Gewohnt haben wir in kleinen, simplen Guesthouses, die sich, zum Teil auf einsamen Hügeln gelegen, wie das Ende der Welt anfühlten.

Am letzten Abend wurden wir nach schweren Regenschauern schließlich doch noch mit einem aufklarenden Himmel belohnt und wir konnten zum ersten Mal die schneebedeckten, felsigen Berge und vor allem den Mt. Kanchenjunga, der mit 8598m der dritthöchste Berg der Erde ist.

Dann trennten sich unser aller Wege und ich machte mich auf nach Varanasi, wo ich mich mit Immanuel treffen würde.

Varanasi liegt direkt am Ganges, gilt als einer der heiligsten Orte Indiens und einige seiner Badeghats wurden schon in der Mahabharata, quasi der hinduistischen Bibel, erwähnt. Wer hier stirbt, wird angeblich von all seinen Sünden befreit; daher kommen viele Menschen zum sterben her. Außerdem werden an zwei Ghats (öffentlich) Leichen verbrannt.
Varanasis viele kleine, enge, verworrene Gassen haben sicherlich seinen ganz eigenen Charme und die vielen Ghats am Ganges entlang laden zu einem Spaziergang ein. Getrübt wird alles ein bisschen von nervigen Boots- und Drogenverkäufern, Bettlern und anderem aufdringlichen Volk. Außerdem war es mir im Vergleich zu Sikkim einfach viel, viel zu warm.
Generell hat mir Varanasi schon gut gefallen, ich glaube aber, dass zwei Tage sicherlich genug sind. Meine Erwartungen lagen nach Berichten von anderen Reisenden wohl im Vorhinein einfach zu hoch. Tatsächlich enttäuscht war ich aber trotzdem nicht, dafür war es doch zu gut!

Alles in allem war es eine tolle Reise! Ich bin alleine losgestartet, habe aber lediglich zwei Nachmittage und zwei Zugfahrten alleine verbracht; und über Ruhe im Zug bin ich im Normallfall eher dankbar - besser als Löcher in den Bauch gefragt zu bekommen...


Bild 1: Aiden und ich beim Klassenräume bemalen


Bild 2: Das "Happy Valley Tea Estate" in Darjeeling








Bild 3,4,5 und 6: Trekking durch West-Sikkim mit Nicolai aus Dänemark und Amit aus Israel


Bild 7: Kleine buddhistische Mönche auf dem Weg zum Dupdi-Kloster in Yoksum.


Bild 8: Spielendes Kind am Kathok Lake in Yoksum. Vorsicht: Blutegel!


Bild 9: Wir trinken Thongba (tibetisches Bier) - das Glas ist zu 80% mit Hirse gefüllt, dann wird ständig mit heißem Wasser nachgefüllt, sodass sich der Alkohol bildet. Schmeckt wie schlechter Wein, ist aber sehr effektiv und bringt definitiv Langzeitspaß!


Bild 10: Schliesslich doch noch ein klarer Tag in Sikkim: Sicht auf die Kanchenjunga Mountainrange von Pelling aus.


Bild 11: Morgenstimmung am Ganges in Varanasi


Bild 12: Morgendliches Waschritual

Mehr Fotos gibts bald im Fotoalbum unter März und April!

Montag, 5. April 2010

Happy Holi!

Am 1. März wurde Holi gefeiert, das indische Frühlingsfest und Fest der Farben. Wir sind nach Mathura und Vrindavan gefahren, wo Holi wohl am ausgelassensten gefeiert wird, und das kann ich nun nach eigener Erfahrung bestaetigen.

Im Grunde geht es einfach nur darum, sich gegenseitig einzufärben und mit Farben um sich zu schmeissen; ob Farbpulver, Wasserfarben oder im Notfall bei einigen weniger priviligierten Menschen (wie ich leider am eigenen Leib erfahren musste) auch mal Matsch oder Kuhscheiße, spielt dabei keine Rolle!

Im Großen und Ganzen ein Mordsspaß, wenn teilweise auch schon fast ein bisschen zu heftig. Gerade für Frauen ist es sicherlich nicht ganz ungefährlich, denn das mit Farbe anschmieren wird von vielen Männern als Einladung zum Grabschen aufgefasst.
Ein Mädchen von uns bekam das Farbpulver leider ins Auge gerieben, woraufhin wir in verschiedene Krankenhäuser gehetzt sind. Kein schoener Ausgang - Holi bleibt mir persönlich trotzdem positiv in Erinnerung.

Ins Detail moechte ich gar nicht gehen, schaut euch einfach die Bilder an, von denen es leider ausserhalb des Hotels nicht viele gibt... Ansonsten hätte es die Kamera wohl auch nur schwer überlebt...


Bild 1: Vorher


Bild 2: Nachher

Damals in Südindien und Nepal

Es ist zwar schon eine halbe Ewigkeit her, aber ich habe mich dazu entschlossen, doch nochmal kurz über meine Reisen in den warmen Süden und in das bergige, kalte Nepal zu berichten.

Ende Dezember haben Immanuel und ich unsere Weihnachts- und Neujahrsferien mit ein paar extra Ferientagen zu einer beschaulichen Ferienlänge von zwei guten Wochen aufgewertet, die genug zu sein schien, damit sich eine Reise in den Süden lohnt.

Zuerst flogen wir für einen Spottpreis von 35eur nach Bombay, Indiens modernste Metropole, wichtigste Hafenstadt und Heimat des indischen Bollywood-Kinos. Auch. wenn Bombays Name 1995 offiziell zu Mumbai geändert wurde, bevorzugen die Einheimischen noch immer den alten britischen Namen.

Hier trafen Immanuel und ich uns am zweiten Tag mit Caitlin, die wir ja damals in Jaisalmer kennen gelernt und in Udaipur besucht haben. Caitlin hatte sich dazu entschlossen, ihren Rückflug nach hinten zu verschieben und stattdessen nochmal mit uns auf Reisen zu gehen.

Nach drei Tagen Bombay fuhren wir gemeinsam über Nacht weiter mit dem Zug nach Goa. Hier fanden wir mit dem Agonda Beach im südlichen Teil Goas einen Strand, der unseren Bedürfnissen nach schöner Natur, Entspannung, ruhiger Atmosphäre und wenig Touristen perfekt entsprach. Gewohnt haben wir in einem schlichten Beach Hut direkt am Strand.

Wir verbrachten unsere Tage mit Cocktails am Strand, Spaziergängen, sonnen, lesen und schwimmen und haben sogar ein paar Delfine zu Gesicht bekommen. An zwei Tagen mieteten wir uns Scooter, mit denen wir die palmige, tropische Landschaft Goas und abgelegene Strände erkundet haben.

An Weihnachten, einen der heißesten Tage, entschieden wir uns abends ins südlich angrenzende Palolem zu fahren, das weitaus voller und mehr auf Partytourismus ausgelegt ist. Hier hatten wir ein fantastisches Weihnachtsmahl und gingen danach auf eine Party direkt am Strand.

Als Caitlin uns schließlich verlassen und ihren Rückflug in die USA antreten musste, machten Immanuel und ich uns auf zur nächsten Station auf unserer Reiseroute: Hampi.

Hampi ist eine historische indische Stätte, die einmal Hauptstadt eines hinduistischen Königreichs war. Die ganze Umgebung ist voll von alten Tempeln und Ruinen; faszinierend ist auch die einzigartige Landschaft, die von riesigen Granitfelsen geprägt ist. Wir erkundeten die Umgebung auf einem gemieteten Fahrrad.

Nach Hampi trennten sich auch Immanuels und meine Wege. Da mein Touristenvisum mich trotz einjähriger Gültigkeit dazu zwang, das Land nach 180 Tagen vorübergehend zu verlassen, musste ich am 2. Januar einen Flug von Delhi nach Nepal erwischen. Immanuel dagegen hat ein anderes Visa und konnte daher ein paar Tage länger im Süden bleiben.
So machte sich Immanuel auf zum Strand von Gokarna, während ich nach Bangalore fuhr, von wo mein Flug nach Delhi abfliegen würde. Glücklicherweise musste ich Silvester trotzdem nicht alleine verbringen: eine ehemalige indische Freiwillige aus meiner NGO, hatte mitlerweile einen Job in Bangalore und so konnte ich mit ihr und ihren Freunden in ihrer WG wohnen und feiern.

Wieder in Delhi angekommen, ging nach einer Nacht daheim und einem schnell umgepacktem Rucksack, die Reise direkt weiter nach Kathmandu, Nepal. Da meine Zeit begrenzt war und ich lieber mehr Zeit in der Natur verbringen wollte, verbrachte ich nur einen vollen Tag mit Sightseeing im hektischen Kathmandu und machte mich dann weiter auf ins weiter westlich gelegene, ruhige und landschaftlich attraktivere Pokhara.

Hier lernte ich direkt am ersten Abend beim Essen ein Mädchen aus Taiwan kennen, mit der ich spontane Pläne für einen Trek durch die umliegenden Berge und Dörfer machte. Drei Tage stiefelten wir über Trampelpfade durch die Natur und schliefen in einfachen Guesthouses; glücklicherweise waren wir von gutem Wetter gesegnet und hatten so ständige Sicht auf die majestätische, schneebedeckte Annapurna Mountainrange, deren Annapurna I mit 8091m der zehnthöchste Berg der Erde ist.

Meinen letzten Tag in Pokhara verbrachte ich mit einer Fahrradtour zu zwei in der Umgebung gelegenen, schönen Seen, woraufhin es am 9. Januar schließlich wieder auf nach Kathmandu ging, wo ich am darauffolgenden Tag meinen Rückflug nach Delhi antrat.


Bild 1: Bombay - erweckt wesentlich eher den Eindruck einer Großstadt als Delhi.


Bild 2: Eis Essen am Chowpatty Beach - es gibt definitiv schönere Strände.


Bild 3: Das Taj Hotel, hier waren am 27.11.2008 die Terroranschläge.


Bild 4: Der riesige Agonda Beach in Goa


Bild 5: Einer der abgelegenen, menschenleeren Strände, die wir mit dem Scooter erreicht haben.


Bild 6: Unser Weihnachtsessen in Palolem


Bild 7: Hampi


Bild 8: Der Durbar Quare in Kathmandu


Bild 9: Blick auf den Machupuchare alias Fishtail während unseres Treks durch die Berge


Bild 10: Ich vor der Annapurna Mountainrange


Bild 11: Blick aus dem Fenster während meines Rückflugs nach Delhi

Mehr Bilder gibts im Fotoalbum unter Dezember und Januar!